03. Februar 10

Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“

Interview mit WBS Dozent und Ironman Teilnehmer Jörg Weissmantel

joerg1 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“Jörg Weissmantel ist seit 1996 freiberuflicher Management- und Kommunikationstrainer. Der studierte Volkswirt und Handelslehrer vermittelt Kenntnisse und Techniken in den Bereichen Persönlichkeits-Management, Job-Management und Team-Management und wird regelmäßig von der WBS TRAINING AG als Coach gebucht. Darüber hinaus ist Weissmantel begeisterter Triathlet und sechsmaliger Teilnehmer des Ironman in Frankfurt. Der Darmstädter ist Vater von zwei Kindern.

WBS: Hallo Herr Weissmantel, zunächst vielen Dank für das Interview! Meine erste Frage an Sie: Wann und wie sind Sie zum Triathlon gekommen und was reizt Sie gerade an diesem Sport?

Zum Triathlon gekommen bin ich über die Leichtathletik. Ich lief als kleiner Bub schon aktiv Mittelstrecke und war da auch recht erfolgreich. Irgendwann hat man sich erzählt dass es da was Neues gibt. Da fing das mit dem Triathlon gerade an. Es hat mich damals gereizt nicht nur zu laufen, sondern auch zu schwimmen und Rad zu fahren. Und da ich vom Laufen her kam und diese Disziplin in petto hatte, habe ich es ausprobiert. Die ersten  Welt-Wald-Wiesen Triathlons, die es dann in Darmstadt und Umkreis gab, haben unheimlich viel Spaß gemacht. Ich trainierte dann weiter und es wurde immer mehr und irgendwann richtig viel.

WBS: Welche der drei Disziplinen finden Sie am schwersten und welche liegt Ihnen am ehesten?

Am schwersten für mich ist das Schwimmen weil das sehr viel mit Technik zu tun hat und weniger mit Kraft. Da muss ich am meisten trainieren um schließlich die Technik auch zu verbessern. Am ehesten liegt mir immer noch das Laufen weil ich da einfach viele Jahre Erfahrung habe.

WBS: Wie sieht Ihr wöchentliches Trainingsprogramm aus?

Prinzipiell trainieren wir täglich, wobei jeder dritte Tag ein Regenerationstag ist. Das ist wichtig damit der Körper überhaupt die Möglichkeit hat die Trainingsleistung zu verarbeiten. Das Wintertraining sieht ganz anders aus als das Training, was im Frühjahr beginnt. Momentan (Dezember) ist ganz viel Schwimmtraining angesagt. Wir trainieren intensiv Schwimmtechnik. Dann natürlich sehr viel Lauftraining. Aber alles bewegt sich noch im Grundlagenausdauerbereich um so die Grundlagen für das intensivere Training zu schaffen. Im Frühjahr steigert sich der Umfang mit höheren Intensitäten. Dann wird das Radfahren intensiviert. Meistens geht’s auch ins Radtrainingslager irgendwo ins Warme, z.B. nach Mallorca, und dann werden sukzessive bis zum Sommer hin die Intensitäten nach oben gefahren. Das kann auch mal bedeuten, dass man zweimal am Tag trainiert. Am Wochenende, wo mehr Zeit ist, sitzt man auch mal fünf Stunden auf dem Rad und läuft im Anschluss noch ein bis zwei Stunden.

WBS: Sie trainieren also nicht allein?

Das Training findet selten allein statt. Gerade beim Radfahren und beim Schwimmtraining trainieren wir zu mehreren. Meine Lebensgefährtin betreibt auch sehr intensiv Triathlon und wir trainieren im Alltag viel zusammen. Meistens besprechen wir dann unsere Alltagsprobleme beim gemeinsamen Laufen oder erzählen was es hier oder da Neues gibt. Das lässt sich gut mit Trainingseinheiten verbinden.

WBS: Sie sprechen es an, Sport, Beruf, Familie: Wie setzen Sie da die Prioritäten? Ist es nicht schwierig alles unter einen Hut zu bringen, gerade wenn ein Wettkampf ansteht?0232 16382 196x300 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“

Es erfordert sicherlich schon ein sehr gutes Zeit- und Projektmanagement bei der Vielzahl von Dingen. Nichts desto Trotz ist der Sport, also der Triathlon, ein Hobby. Ich verdiene damit kein Geld und ich will damit auch kein Geld verdienen (lacht). Es ist zwar ein hohes Niveau aber es hat nicht die erste Priorität. Gerade die Familie und dann in zweiter Linie der Beruf als Trainer sind mir sehr wichtig. Und klar: im Endeffekt heißt es immer möglichst alles zu bedienen dass nichts hinten runter fällt. Das ist manchmal ein ganz schöner Drahtseilakt. Wenn ich als Trainer unterwegs bin, trainiere ich auch. Laufschuhe kann man immer mitnehmen und ein Hallenbad im Winter und ein See im Sommer finden sich überall. Das lässt sich schon sehr gut kombinieren. Man muss halt unter Umständen um sechs Uhr aufstehen dass man vor Seminarbeginn noch eine Laufeinheit hinbekommt. Man muss das miteinander kombinieren was möglich ist. Müssen die Kinder ins Training, zum Sport oder in den Musikunterricht kombiniert man das mit einer Laufeinheit. Wenn wir laufen, fahren die Kinder auch mal mit dem Rad mit. Aber immer wenn’s dann so richtig rund geht bleibt schon so ein bisschen was auf der Strecke. Meistens sind das Freunde und Bekannte die dann fragen: „Mensch, Euch sieht man ja überhaupt nicht mehr“. Klar es bleibt eben wenig Zeit noch auf eine Fete zu gehen oder die Freunde zu besuchen. Oft ist man abends einfach auch zu müde vom Training.

WBS: Wie bereiten Sie Sich auf einen Ironman vor und wann beginnen die Vorbereitungen?

Die Vorbereitungen beginnen im Grunde jetzt schon (Dezember). Wir sind also gerade mittendrin. Ich habe im September und ein Teil des Oktobers pausiert bzw. die Trainingsumfänge deutlich zurückgefahren und vier Wochen wirklich gar nichts getan. Der Körper braucht das um sich wirklich zu „reseten“. Und dann beginnt im Grunde schon wieder die Vorbereitung für den nächsten Ironman d.h. also Einstieg mit viel Schwimmtechniktraining, lockere Laufeinheiten. Alles, was jetzt schon läuft, auch wenn es locker ist, gehört zur Vorbereitung für die nächste Saison und den nächsten Ironman. Die Vorbereitungen laufen eigentlich bereits auf vollen Touren.

WBS: Sie intensivieren das Training also, je näher der Ironman rückt?

Genau, wir bekommen von unserem Trainer Trainingspläne geschrieben, in denen genau definiert ist, was wir an welchen Tagen trainieren sollten. Klar muss man den Plan auch mal variieren, je nach Job und was anliegt. Zusätzlich machen wir in der Regel 1-2-mal im Jahr eine Leistungsdiagnostik bei einem Arzt, um genau festzustellen wie der Trainingszustand und die Verfassung sind. Nach der Leistungsdiagnostik werden die Pläne noch einmal optimiert und angepasst, so dass die Vorbereitung optimal auf die körperliche Verfassung und das Trainingsziel, also den Ironman, abgestimmt ist.

0232 09479 196x300 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“WBS: Welche Aussage trifft für Sie eher zu: „Dabei sein ist alles“ oder „Der Zweite ist der erste Verlierer“?

Ich glaube da muss man ein bisschen unterscheiden um was für einen Triathlon es sich handelt. Nimmt man einen Kurztriathlon, der zudem in der näheren Umgebung stattfindet und über die olympische Distanz geht, also ein kleinerer Triathlon ist, dann ist schon das Ziel dass ich in meiner Altersklasse auch gewinne oder unter die ersten drei komme. Das ist schon der Anspruch. Bei einem Ironman, wo neben den Hobbytriathleten oder Amateuren wie mir, auch die Profis am Start sind, ist das Thema erster oder dritter zu sein, völlig illusorisch. Das würde ich schon vom Trainingsaufwand her gar nicht hinbekommen. Beim Ironman ist glaube ich das erste Ziel das man hat, gesund ins Ziel zu kommen, also gesund zu „finishen“, damit sich die Qualen der Monate auch lohnen und man dieses erhebende Gefühl, „ich bin ein Ironman-Finisher“, genießen kann. Und was dann sicherlich mit jedem Ironman hinzukommt, ist sich in seiner persönlichen Bestzeit zu verbessern bzw. irgendwann mal die Qualifikation für Hawaii zu schaffen. Und das ist natürlich dann ein ganz hohes Ziel.

WBS: Man muss sich also für den Ironman auf Hawaii qualifizieren?

Ja, da muss man sich richtig qualifizieren. Das heißt, ich muss mich irgendwo auf dieser Welt bei einer Ironman-Veranstaltung qualifizieren für den Ironman auf Hawaii, der ja die Weltmeisterschaft ist. Man qualifiziert sich, indem man in seiner Altersklasse in die entsprechenden Platzierungen kommt, die einen Startplatz für Hawaii ermöglichen. Das ist aber je nach Veranstaltung unterschiedlich. Das können in Frankfurt in meiner Altersklasse fünfzehn und beim Ironman in Australien nur sieben sein. D.h. in Australien müsste ich in meiner Altersklasse unter die Top 7 kommen, in Frankfurt unter die Top 15. Und wenn ich das schaffe, bin ich qualifiziert für die Weltmeisterschaft und kann im Oktober auf Hawaii starten.

WBS: Für mich sehr spannend zu erfahren die Gefühle während eines Ironman. Gibt es bestimmte Punkte oder Kilometer die eine emotionale Bedeutung haben? Hatten Sie auch Wettkämpfe wo es auf den ersten Kilometern extrem schwierig war und Sie dachten das wird heute wohl eher nichts?

Es gibt ganz unterschiedliche Facetten. Das fängt eigentlich damit an dass man morgens früh, wenn man um fünf Uhr in der Wechselzone ist und seine Sachen für den Start vorbereitet, schon völlig am Rad dreht. Der Puls rast, aber man freut sich natürlich auch auf den Tag. Das ist so eine freudige Spannung. Der nächste Schritt ist das Warten auf den Startschuss zum Schwimmen wenn man im Wasser ist. Beim Ironman in Frankfurt wird die deutsche Nationalhymne gespielt, da er auch eine Europameisterschaft ist. Ein Pfarrer hält eine kurze Andacht, der Ministerpräsident spricht ein paar Worte. Da bekommt man schon Gänsehaut wenn die Nationalhymne gespielt wird.0262 20592 201x300 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“ Und wenn dann 20.000 Zuschauer an dem See klatschen, da rollt auch mal eine Träne über die Wange. Nach dem Start beim Schwimmen ist es eigentlich erstmal nur ein Gemetzel und der einzige Gedanke ist: „Augen zu und durch“. Da geht im Wasser wirklich was ab! Wenn 2.000 Leute gleichzeitig versuchen schnell zu schwimmen, fragt man sich manchmal: „Wieso mach ich das hier eigentlich?“. Ich sag mal, das ist wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine. Wenn man das Schwimmen dann hinter sich hat und es aufs Rad geht, denkt man erstmal: „Das Schlimmste ist geschafft“. Jetzt rollt’s erstmal und dann geht’s einem einfach gut. Da kann ich auch die ersten Kilometer genießen. Man nimmt die Leute an der Radstrecke und die anderen Athleten wahr. Man fährt dann ja auch durch viele Orte wo unglaubliche Stimmung ist. Das Jubeln der Leute bei den Anstiegen tut unheimlich gut. Da ist ganz viel Spaß und Euphorie dabei. Wenn man dann auf die zweite Radrunde geht, ab km 90 bis 180, da fängt es schon mal an in den Oberschenkeln weh zu tun. Man hat da schon mal ein kleines Tief und sagt sich: „Du jetzt pass gut auf, fahr´ nicht zu schnell, fahr´ nicht so langsam, konzentrier Dich, trink viel“. Man führt viele Selbstgespräche. Ich sag’ mir oft: „Das ist jetzt schon anstrengend aber es kommt noch mehr. Das ist noch nicht mal die Hälfte“. Geht es dann zum Marathon, durchlebt man in kürzesten Abständen hintereinander Höhen und Tiefen. Am Anfang denkt man, man sei noch nie gelaufen und eiert rum. Dann fühlt man sich so nach 5-6 km recht gut und recht locker. Ab km 10, auf der 2. Laufrunde, kommt schon der erste Punkt, wo man denkt, jetzt ist es doch sehr heiß und ich fühl mich irgendwie nicht so gut. Und dann reiht sich so das eine oder andere Tief an das eine oder andere Hoch. In der Regel hat man so bei km 25, bei anderen ist es eher bei km 30, ein richtiges Loch. Man will nicht mehr, man kann nicht mehr und es tut alles weh. Viele haben dann Magenprobleme und können nur noch wenig oder gar nichts mehr essen oder trinken, was wirklich schwierig ist. Viele geben auch auf und bleiben stehen, gehen nur noch oder gehen aus dem Rennen raus. Durch diese Phase muss man einfach durch. Die Menschen am Rand, vor allem die Familie, die einen anfeuern sind da die wichtigste Motivation. Und natürlich der Gedanke, „es sind nur noch 12 km bis zum Ziel, die kriegst Du jetzt auch noch hin“. Gerade in Frankfurt ist es so, dass man nach jeder Laufrunde, man muss insgesamt vier Runden laufen, als Signal, dass die Wettkampfrichter sehen wie viel Strecke man schon hinter sich hat, ein Froteebändchen um den Arm gestreift bekommt. Im Grunde hangelt man sich von Frottebändchen zu Froteebändchen und sagt sich: „Mensch, jetzt hab ich schon drei Bändchen, ich brauch´ nur noch eins.“ Und dann geht’s auch wirklich nur noch Richtung Ziel. Das sind so diese kleinen Meilensteine die man sich setzt und an denen man sich langhangelt. Die Gefühle unterliegen also schon starken Schwankungen und die Schwankungen sind letztendlich beim Marathon extrem ausgeprägt.

WBS: Können Sie uns von Kuriositäten und besonderen Erlebnissen beim Ironman berichten?

Das sind jetzt keine gigantischen Highlights. Aber eines ist immer wieder eine Kuriosität: Wenn man morgens zum Start geht bzw. zur Vorbereitung in die Wechselzone, es ist fünf Uhr, alle sind noch ganz verschlafen, drängt schon die Nervosität viele Athleten Richtung Toiletten. Es ist immer wieder das gleiche Bild, wenn sich dann Schlangen vor den Dixiklos bilden. Bei meinem 4. Ironman musste ich so häufig auf die Toilette und hörte noch im Dixihäuschen den letzten Aufruf des Starters, ins Wasser zu gehen. Ich hatte meine Mühe den Neoprenanzug wieder hochzuziehen und zu schließen und bin dann Richtung See runter gerannt. Aber ich habe es Gott Zeit dank 0262 08370 199x300 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“noch rechtzeitig vor dem Startschuss geschafft. Aber da kommt man schon auch mal in Stress und das treibt den Adrenalinpegel und den Puls auch noch mal hoch. Was für mich sehr stressig war, ich hatte vor drei Jahren einen Start und merkte, als ich morgens in die Wechselzone kam, die Räder müssen ja schon abends vorher abgegeben werden, dass meine Bremse schleift obwohl die am Abend vorher noch normal funktionierte. Es gibt ein Technikerzelt in der Wechselzone, da bin ich dann hin, eine halbe oder dreiviertel Stunde vor dem Start. Die sagten dann das Bremskabel hätte einen Knick – keiner wusste warum – und es müsste jetzt schnell ausgetauscht werden. Ich stand zitternd neben dem Techniker und hab ihn gefühlt alle zwei Minuten gefragt ob er es noch schafft bevor der Startschuss fällt dieses Kabel auszutauschen und die Bremse wieder gangbar zu machen. Er hat es geschafft aber ich glaube ich bin mit einem Puls von 180 in Wasser gerannt. Das war sicher auch eine Sache, die man so schnell nicht vergisst.

WBS: Was macht ein Ironman-Teilnehmer wenn er mal muss? Oder muss er überhaupt?

Ja es ist tatsächlich so. Würde man nicht müssen, hätte man was falsch gemacht. Es ist wichtig so viel zu trinken dass man auch auf die Toilette muss. Beim Radfahren fährt man viel durch menschenleere Gebiete. Da braucht man nicht warten bis ein Toilettenhäuschen kommt sondern stellt sich einfach an den Feldrand. Beim Marathon dagegen ist man pausenlos von Menschen umringt. Da sieht die Wettkampfordnung vor eines der an der Wettkampfstrecke aufgestellten Dixihäuschen aufzusuchen. Man muss sich da wirklich auch so lange im Zaum halten bis das nächste Toilettenhäuschen kommt, wobei man eben immer wieder Athleten sieht die das einfach nicht schaffen und in Frankfurt am Mainufer dann doch das eine oder andere Mal in einen kleinen Busch gehen. Aber auf die Toilette müssen ist in der Tat ein Thema weil man doch mehr trinken sollte als der Körper braucht. In der Regel merkt man aber im Ziel, dass man doch zu wenig getrunken hat und dass man dehydriert ist, spätestens wenn man sich dann eine Infusion geben lässt.

WBS: Wie lange spürt man den Ironman nach dem Ziel noch in den Knochen?

Das dauert noch eine ganze Weile. Meistens ist es so, dass man am nächsten Tag Muskelkater hat, müde ist und auch einiges weh tut, aber es geht noch. In der Regel ist es aber am zweiten und dritten Tag nach dem Zieleinlauf besonders schlimm. Dann wird jede Treppe, jeder Bürgersteig, jeder Absatz zu einem kleinen Mount Everest. Ich habe auch schon Triathleten erlebt die rückwärts Treppen runter gegangen sind weil die Oberschenkelmuskulatur total verhärtet ist. Da tut´s schon richtig weh. Wenn man sich dann physiotherapeutisch behandeln lässt, viel trinkt, viel isst, merkt man ungefähr nach einer Woche subjektiv nichts mehr. Aber man sollte schon noch vier Wochen warten bis man wieder das ein oder andere aktiver angeht. Es geht zwar dass man bereits nach zwei Wochen beispielsweise einen kleinen Wettkampf bestreitet, aber man ist körperlich und mental eben doch noch sehr müde. Von daher ist es nicht empfehlenswert so schnell wieder zu starten. Die Profis machen das oft, aber die sind ja noch ein bisschen anders gestrickt. So als Amateur sollte man schon ein bisschen abwarten.

WBS: Sie haben sechs Ironman absolviert, welche Steigerung gibt es noch? Hawaii hatten wir angesprochen das ist dann das größte, richtig?

Genau, sechsmal in Frankfurt, und die Steigerung ist tatsächlich die Qualifikation für Hawaii. Wobei ich da schon ein sehr geduldiger Mensch bin. Hawaii mit der Brechstange zu schaffen, ist nicht drin. Es wäre wirklich die Erfüllung eines Traumes, aber das muss nicht dieses oder nächstes Jahr sein. Auch nicht in drei Jahren, vielleicht klappt es in sechs oder sieben Jahren. Da muss man einfach wirklich auch mal abwarten. Alles ist nicht nur eine Frage intensiven Trainings sondern auch ob und wie es sich mit Job und Familie vereinbaren lässt. Aber die Steigerung und das Ziel ist ganz klar Hawaii. Und daher steht auch 2010 wieder ein Ironman an. Dieses Mal allerdings nicht in Frankfurt, weil nach sechsmal so ein bisschen die Frankfurt-Müdigkeit eingetreten ist. Es wird 2010 eine Ironman-Premiere in Regensburg geben. Da wird der gleiche Veranstalter sein der auch Frankfurt managt und wir werden im August dort starten

WBS: Was haben Sie sonst noch für Hobbies? Ich habe auf Ihrer Webseite gelesen, Sie spielen Didgeridoo?

Ja, das ist noch ein Überbleibsel aus meiner musikalischen Schaffenszeit. Ich habe als Student in einer Rockband E-Gitarre gespielt, was verdammt viel Spaß machte. Aus Zeitgründen habe ich das dann aber sein lassen weil 0232 06313 199x300 Wie ein Vollwaschgang in der Waschmaschine“der Sport doch Überhand nahm. Irgendwann trennte ich mich von den E-Gitarren und fing, weil ich es interessant fand, an Didgeridoospielen zu spielen und Unterricht zu nehmen. Momentan betreibe ich das nebenbei immer mal wieder, aber es ist wirklich nur eine Sache um abzuschalten. Prinzipiell ist für mich der Sport das Mittel den Kopf frei zu bekommen und mir über neue Seminarkonzepte Gedanken zu machen. Das geschieht meistens beim Laufen, aber ich fahre auch sehr gerne Ski, schon immer seit ich ein kleiner Junge war. Das ist ein ganz anderer Sport aber der macht sehr viel Spaß. Ich gehe zudem gerne Bergsteigen, ich bin also auch in anderen Sportarten aktiv. Es muss aber alles draußen sein. Natürlich lese ich auch gern, aber ob das jetzt ein Hobby ist weiß ich gar nicht so recht. Ich denke meine Hobbies sind eher die Dinge, die mich sportlich kitzeln und wo man draußen sein kann. Ich bin zwar sehr musikbegeistert, aber die Musik, das Didgeridoo-Spielen, hat allein zeitlich nicht den Stellenwert der sportlichen Aktivitäten.

WBS: Erzählen Sie uns etwas zu Ihrer Trainertätigkeit. Wie wird man Kreativ-Trainer?

Das Thema Kreativtrainer ist ein Prozess gewesen. Ich arbeite ja nun schon sehr lange als Trainer, seit 1996 freiberuflich, davor sechs Jahre im Wella-Konzern. Das meiste hat sich so sukzessive ergeben. Die ersten Themen waren eher klassisch: Moderationstechniken, Rhetorik, Präsentation, Zeitmanagement. Irgendwann bin ich durch Interesse auf das Thema Kreativitätsmethoden gestoßen. Ich fand es toll, dass man damit ganz anders an Fragestellungen und Problemstellungen herangehen kann. Ich habe mich erstmal selbst schlau gemacht, dann Fortbildungen besucht und irgendwann erste Seminare angeboten. Als die gut ankamen, entstanden Synergieeffekte. Man stellt fest, dass Kreativitätstechniken ganz viel mit dem Themenbereich Konfliktmanagement zu tun haben. Es gibt Verbindungen zwischen Teamentwicklung und Kreativitätstechniken. Man kann plötzlich die Puzzlesteine ganz anders zusammensetzen. Und dann wird daraus im Laufe der Jahre ein Werkzeugkasten mit dem man nicht nur als Trainer kreativ an Dinge rangeht, sondern wo man Kreativitätsmethoden konkret mit anderen Themenstellungen verbindet. Und das ist glaube ich auch das Spannende, dass man sowohl in einem Teamseminar als auch in einem Konfliktmanagement-Workshop immer auch nach kreativen Lösungsansätzen suchen kann, um Konflikte zu lösen, Teams noch teamfähiger zu machen oder im Zeitmanagement andere Wege zu gehen. Das macht dann auch einen Trainer meines Erachtens zu einem Kreativtrainer. Es sind also nicht nur die Kreativitätsmethoden sondern es ist über eine andere Denkweise an Fragestellungen ranzugehen. Und das war bei mir ein vieljähriger Prozess. Das heißt wirklich über viele Jahre Dinge kennenlernen, ausprobieren, verändern, wieder neue Impulse bekommen, daraufhin wieder etwas verändern. Es ist bei mir also ein Ergebnis von mittlerweile 20 Jahren Trainertätigkeit.

WBS: Welchen Stellenwert hat Weiterbildung für Sie und wie bilden Sie sich aktiv weiter?

Für mich hat Weiterbildung, bezogen auf mich aber auch auf andere, einen extrem hohen Stellenwert. Wenn ich in Unternehmen oder speziell in Teams bin, wo Teilnehmer signalisieren „das brauche ich nicht, das will ich nicht, das kann ich schon“ bekomme ich stumpfe Zähne. Ich halte Weiterbildung deswegen für wichtig, weil ein „nein“ auch immer mit Stillstand zu tun hat. Und für mich ist Lernen ein lebenslanger Prozess. Das ist zwar ein abgedroschener Spruch aber ich denke der gilt immer noch. Weiterbilden und sich weiterentwickeln ist schon deswegen notwendig weil wir uns als Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen auch verändern. Kein Thema kann ich so für mich erschlossen haben dass ich mich nicht weiterbilden sollte. Erstens gibt’s Neuerungen, zweitens verändere ich mich. Also Weiterbildung gehört für mich wie die Luft zum Atmen einfach dazu und sollte für jeden Menschen der Normalfall sein. Das ist nicht jobbezogen sondern persönlichkeitsbezogen. Für mich persönlich hat die fachliche Weiterbildung einen hohen Stellenwert. Natürlich sind das jetzt nicht mehr die Basisthemen wie vor 12 Jahren, sondern eher Spezialthemen die ich mir anschaue, z.B. neue Ansätze im Hinblick auf das Einschätzen von Persönlichkeitstypen, der Umgang mit blinden Flecken oder neue Coaching-Methoden. Was mir auch sehr wichtig ist, ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Bei der WBS profitiere ich unheimlich viel von den Hospitationen der Trainerinnen und Trainer-Kollegen. Wenn ich als Trainer bei den Kolleginnen und Kollegen hospitiere und mir ihre Trainingssequenzen anschaue um professionelles Feedback zu geben, hole ich da für mich selbst unheimlich viel raus. Und natürlich auch aus dem Feedback meiner Kolleginnen und Kollegen zu meiner Arbeit. Gespiegelt zu bekommen, was mache ich, wie habe ich mich verändert, wo liegen meine blinden Flecken, wo gibt’s Optimierungsbedarf. Bei mir sind es also zwei Säulen: Weiterbildungen selbst besuchen aber auch ganz kritisch sich selbst reflektieren inklusive des Feedbacks von anderen.

WBS: Was reizt Sie an der Tätigkeit bei der WBS?

Das ist für mich eine ganz besondere Geschichte. Die WBS war, als ich 1996 in die Selbstständigkeit gegangen bin, mein erster Auftraggeber. Ich hatte bis dato nur ganz kleine Aufträge gehabt. Das war so das erste Warmwerden mit freiberuflicher Trainertätigkeit und das erste mal, dass jemand gesagt hat: „Trainer wir wollen Dich!“. Das war der ehemalige Standort in Frankfurt. Ich fand das toll denn die WBS kannte mich nicht. Es war eine Empfehlung durch eine Teilnehmerin, die mich in einem Coaching erlebt hatte, der ich diese Chance zu verdanken habe. Ich glaube die ersten Themen waren Präsentationstechniken und Teamentwicklung. Und seit diesen ersten Anfängen hat sich eine intensive Zusammenarbeit entwickelt in der die WBS und ich einige Höhen und Tiefen durchlebt haben. Auch in schwereren Zeiten hielt die Kooperation bestand. Das habe ich mit keinem anderen Auftraggeber nur ansatzweise erlebt. Und das schweißt wirklich zusammen. Ich mache ja sehr viel für den Standort in Stuttgart und die Stuttgarter haben irgendwann mal gesagt: „Der Jörg Weissmantel gehört hier schon zum Inventar, der müsste demnächst mal die schwäbische Staatsbürgerschaft beantragen“. Ich glaube das zeigt es einfach genau. Es gibt eine ganz intensive Bindung und die wird es auch immer geben.

WBS: Wie sehen Ihre beruflichen Wünsche für die Zukunft aus?

Ich wünsch mir für die nächsten Jahre weiterhin soviel Freude und soviel Spaß an dem Job, denn es ist nach wie vor so dass mir die Trainertätigkeit brutal viel Spaß macht. Mir würde auch was fehlen wenn man mir diesen Job nehmen würde. Ich wünsche mir also weiterhin diesen Spaß am Job, viele kreative neue Ideen und auch weiterhin einfach ganz viele spannende Teilnehmergruppen mit vielen interessanten Fragen. Und ich denke wenn diese Mischung weiterhin besteht, dann ist es mein Wunsch für die nächsten gefühlten 150 Jahre als Trainer, gerade auch für WBS durch Deutschland zu touren und einen sehr guten und professionellen Job zu machen.

Michael Schulze
Michael Schulze Referent Marketing und PR bei der WBS TRAINING AG
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