Fangfragen im Vorstellungsgespräch.
Und wie du souverän damit umgehst, weil du weißt, was dahintersteckt.

Brainteaser: Die 10 härtesten Fragen im Vorstellungsgespräch.

Mit gewissen Fragen rechnest du im Vorstellungsgespräch, zum Beispiel: „Was sind Ihre Stärken und Ihre Schwächen? Warum haben Sie sich bei uns beworben? Welche Kenntnisse bringen Sie mit?“ Darauf hast du dir Antworten überlegt und fühlst dich gut vorbereitet.

Anders sieht es aber bei kniffligen Bewerbungsfragen aus, auf die du im ersten Moment keine Antwort parat hast. Man nennt sie auch Brainteaser, denn sie sollen dich aus der Reserve locken. Dein Gegenüber möchte sehen, wie spontan du bist oder wie du analytische Herausforderungen angehst. Brainteaser können Rätsel, Knobelaufgaben, Schätzfragen oder Fallbeispiele sein. Wenn du nicht mit ihnen rechnest, können dich solche Fragen trotz Konzentration und guter Vorbereitung schon mal aus dem Konzept bringen. Hier erfährst du, was dahintersteckt und wie du souverän mit Fangfragen umgehst.

Alles Wichtige zu Brainteasern – deine Inhaltsübersicht.

Fangfragen, Rechenrätsel, Rollenspiele: kuriose Beispiele aus der Praxis.

Auf dem Karriere-Portal glassdoor.de können Mitarbeitende ihre Arbeitgeber:innen bewerten und auch Fragen posten, die ihnen im Bewerbungsgespräch gestellt wurden. Darunter finden sich allerlei ausgefallene Fragen aus Vorstellungsgesprächen. Hier sind unsere Brainteaser-Fundstücke:

  1. „Wie erklärt man einem Blinden die Farbe Gelb?“
    (Frage in einem Vorstellungsgespräch bei Google)
  2. „Was war der größte Misserfolg in Ihrem Leben und wie sind Sie damit umgegangen?“ (gefragt bei adidas)
  3. „Wie wäre der Schokoriegel Mars als Person?“
    (gefragt bei der Marktforschungsagentur Happy Thinking People)
  4. „Wie stehen Sie zur Legalisierung von Cannabis?“
    (gefragt beim Verlagshaus Axel Springer)
  5. „Was machen Sie, wenn Sie zwei wichtige Termine gleichzeitig haben?“
    (gefragt bei BMW)
  6. „Welches Verhalten einer anderen Person würde Sie auf 180 bringen?“
    (gefragt beim Modehaus Louis Vuitton)

Fangfragen im Vorstellungsgespräch: Erwarte das Unerwartete.

Du siehst an diesen Beispielen, dass für Fangfragen im Bewerbungsgespräch im Grunde nur eine Regel gilt: Keine Frage ist zu skurril. Am besten versuchst du, das Unerwartete zu erwarten. Dass dir die Personaler:in genau jene Frage stellt, die du vorab recherchiert hast, ist nämlich eher unwahrscheinlich.

Doch keine Bange: Auf knifflige Fragen im Bewerbungsgespräch kannst du dich trotzdem vorbereiten. Denn die Fragen mögen zwar sehr unterschiedlich sein, sind jedoch oft ähnlich aufgebaut, bzw. zielen auf vergleichbare Antworten ab.

Warum werden schwierige Fragen im Vorstellungsgespräch eingesetzt?

Die kurze Antwort: Um dich besser kennenzulernen. Dass du gut vorbereitet bist, spricht schon für dich, aber die meisten Personaler:innen wollen in der kurzen Zeit noch mehr von dir wissen. Fangfragen verlieren ihren Schrecken, wenn du dir bewusst machst, dass es keine „richtige“ Antwort gibt.

Solmaz Alevifard, Jobcoach und Expertin in Sachen Bewerbungstraining bei WBS TRAINING, erklärt, was der Hintergrund für Brainteaser ist: „Ziel der Interviewer:innen ist es herauszufinden, wie systematisch, strukturiert und logisch der Bewerbende eine Problemsituation bearbeitet. Bei der Beantwortung solcher Fragen zeigt sich, wie kommunikativ jemand vorgeht, ob er zum Beispiel nach Zusatzinformationen fragt. Außerdem wird deutlich, wie agil, belastbar und souverän die Bewerber sich unter Zeit- und Lösungsdruck verhalten.“

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10 Beispiele für Brainteaser – und clevere Antworten darauf.

Für dich als Bewerber:in sind Brainteaser also eine gute Gelegenheit, mit einer originellen Antwort hervorzustechen und im Gedächtnis der potentiellen neuen Arbeitgeber:in zu bleiben. Wie das gelingt, zeigen wir dir exemplarisch an zehn unterschiedlichen Beispielfragen.

1. Welche Persönlichkeit würden Sie gerne zum Mittagessen treffen?

Ein bisschen Psychoanalyse im Bewerbungsgespräch? Nicht unbedingt. Allerdings verrät deine Antwort der Personaler:in etwas, das über deinen Lebenslauf oder deine Referenzen hinausgeht. Denn deine Antwort vermittelt einen Eindruck davon, welche Eigenschaften du bei anderen wertschätzt oder gar faszinierend findest. Würdest du gern wissenschaftliche Gespräche über Zeit und Raum mit Stephen Hawking führen? Mit Frida Kahlo bei einem Kaffee über zeitgenössische Kunst plaudern? Oder dir Business-Tipps von Jordan Belfort (dem Vorbild für „Wolf of Wall Street“) holen? Deine Antwort überzeugt, wenn sie ehrlich ist und du sie gut begründen kannst.

2. Nennen Sie sieben Dinge, die man mit einer Büroklammer machen kann.

Um die Ecke denken ist ausdrücklich erwünscht! „Blätter zusammen halten“ darf zwar unter deinen Antworten sein, danach kannst du aber deiner Kreativität freien Lauf lassen. Denn hier stellt dein Gegenüber deinen Ideenreichtum auf die Probe. Einige Anregungen: das SIM-Kartenfach am iPhone öffnen, einen Hosenknopf ersetzen, eine Seifenblase zerplatzen lassen, eine Figur aus Draht biegen, als Ohrring tragen … Je origineller deine Einfälle sind, desto besser.

3. Wenn die Marke Milka ein Planet wäre – wie sähe es dort aus?

Fragen wie diese werden gerne in der Marktforschung verwendet, um unbewusste Tendenzen zu Tage zu fördern. Auch im Bewerbungsgespräch können solche Fragen auftauchen. In unserem Beispiel ist jetzt deine Phantasie gefragt. Die Antwort „lila“ kann der Einstieg sein, aber dann steig ruhig tiefer in das Gedankenspiel ein. Wie ist das Licht auf dem Milka-Planeten? Was für Menschen leben dort? Wonach riecht es? Wie ist die Stimmung? Beschreibe die fiktive Markenwelt möglichst detailliert.

4. Warum sind Kanaldeckel rund?

Das Gullideckel-Prinzip ist ein beliebter Klassiker unter den Brainteasern. Hier geht es um Logik, analytisches Denken und darum, herauszufinden, ob jemand den Blick fürs Wesentliche hat. Eine schlüssige Antwort könnte lauten: Ein runder Kanaldeckel ist immer größer als der Schacht und kann somit nicht hinein (und einer Bauarbeiter:in auf den Kopf) fallen, wenn er verrutscht. Fallen dir weitere Antworten ein? Solange sie logisch begründbar ist, ist deine Antwort auch richtig.

5. Wann haben Sie das letzte Mal eine Regel missachtet – und warum?

Dass du ohne Fahrkarte gefahren bist oder neulich eine rote Ampel ignoriert hast, sind nicht die Anekdoten, auf die es hier ankommt. Vielmehr möchte die Personaler:in mit ihrer Frage herausfinden, wie sehr du deinen eigenen Kopf durchsetzen willst und ob du in der Lage bist, das Für und Wider einer Sache abzuwägen. Es geht darum, dass du Regeln zwar respektierst, jedoch nicht in jedem Fall blind befolgst. Optimal ist es, wenn du dich an eine berufliche Situation erinnern kannst, bei der du zwar gegen die Vorschriften verstoßen, aber trotzdem überlegt gehandelt hast. Möglicherweise bist du durch eine verantwortungsvolle Entscheidung sogar zu einem besseren Ergebnis gelangt?

6. Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne dabei gewesen?

Diese Frage will deine verborgenen Interessen herauskitzeln. Spontanität und Kreativität stehen hier hoch im Kurs. Wärst du zum Beispiel gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen? Oder hättest du 1989 an den Grenzübergängen ausgelassen den Fall der Berliner Mauer gefeiert? Deine Begründung darf gern etwas Persönliches über dich preisgeben. Aber Achtung: Lass die Finger von allzu heiklen Themen. Ereignisse wie die Wannseekonferenz oder die Ermordung John F. Kennedys solltest du wegen ihrer politischen Brisanz eher nicht wählen.

7. Was würden Sie als Unternehmer:in tun, wenn Sie alles Geld der Welt hätten?

Du kannst dir denken, dass „auf die Malediven abhauen“ nicht die ideale Antwort sein kann. Beziehe die Antwort stattdessen auf das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst. Du kannst zum Beispiel antworten, dass du ein Budget für Bewegungsangebote, Massagen und Coachings für deine Mitarbeitenden bereitstellen würdest, oder dass du neue Märkte auf der ganzen Welt erschließen würdest. „Sämtliche Konkurrenzunternehmen aufkaufen“ kann, mit einem kleinen Lächeln präsentiert, ein humorvoller Ansatz sein, sich dieser Frage zu stellen. Hier kommt dir deine gute Vorbereitung zur Hilfe, denn nur, wenn du über das Unternehmen Bescheid weißt, funktioniert die humorvolle Variante.

8. Wie viele Hunde leben in Deutschland?

Schätzfragen wie diese sind ein beliebtes Instrument, um dein logisches und mathematisches Denkvermögen auf die Probe zu stellen. Mach dir bewusst, dass dein Lösungsweg wichtiger ist, als eine genaue Zahl. Die Einwohnerzahl Deutschlands von rund 83 Millionen solltest du noch im Kopf haben, danach kannst du ruhig deinen Bekanntenkreis als repräsentativ betrachten – einen anderen Richtwert hast du schließlich nicht. Du kannst nun überschlagen, wie viele von 10 deiner Bekannten einen Hund haben. Bei 2 Hunden unter 10 Bekannten ergibt sich zum Beispiel ein Verhältnis von 1:5. Diesen Wert kannst du jetzt auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen. Eine geschätzte Anzahl herrenloser Hunde aus Tierheimen und Streuner rechnest du zum Ergebnis noch dazu. Wenn du Zettel und Stift zur Hilfe zu nehmen möchtest, frag danach.

9. Verkaufen Sie mir diesen Stift!

Hier sind Verkaufstalent und Überzeugungskraft gefragt. Wenn du dich auf eine Position im Sales-Bereich bewirbst, ist eine Frage wie diese recht wahrscheinlich. Aber auch Bewerbenden aus anderen Bereichen kann die Frage gestellt werden. Die Devise lautet: Überzeugen statt überreden! Mache deinem Gegenüber klar, welchen Nutzen und Vorteil er aus dem Kauf des Stiftes ziehen kann. Achte darauf, nicht ins Schwafeln zu geraten und nach Teleshopping-Manier einfach nur die offensichtlichen Attribute des Stiftes aufzulisten. Je innovativer und kreativer dein Ansatz ist, desto besser.

10. Was haben Sie letzte Woche gelernt?

PayPal-Manager Derek Hann gab in einem Interview an, diese Frage all seinen Bewerber:innen zu stellen. Denn die Möglichkeit, sich weiterzubilden und etwas Neues zu lernen, ergibt sich immer – man muss sie nur ergreifen. Nimm dir ruhig einen Moment Zeit, um über die Frage nachzudenken. Bestimmt gibt es einen interessanten Beitrag oder ein Buch, das du vergangene Woche gelesen hast. Oder du hast ein Museum besucht, ein Möbelstück aufgebaut oder einen interessanten Podcast gehört? Bei all diesen Dingen hast du etwas dazu gelernt – mach es dir bewusst.

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Wie bleibe ich in fordernden Bewerbungssituationen gelassen?

Das Bewusstsein darüber, dass es solche Fragen geben kann, ist der erste Schritt. Vorbereiten kannst du dich, indem du dir die Situation vorstellst. Du wirst überrascht sein, das darfst du dir auch anmerken lassen und deine Antwort muss nicht sofort kommen. Du kannst auch Rückfragen an den Interviewenden stellen, wenn eine Frage oder Aufgabe nicht ganz klar ist. Sich mit Brainteaser-Beispielen im Vorfeld zu beschäftigen, ist durchaus sinnvoll – und das tust du ja gerade.

Auswendiglernen führt aber nicht zum Erfolg; die Anzahl der möglichen Fragen ist einfach zu lang. „Stattdessen trainieren Bewerbende lieber strukturiert und zugleich kreativ eine Lösung zu finden. Außerdem ist es wichtig, zu üben, ruhig zu bleiben, wenn es knifflig wird“ rät unsere Expertin Solmaz Alevifard. Dabei kann dir ein Coaching helfen oder auch ein Rollenspiel mit einer befreundeten Person.

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Nicht vergessen: Rückfragen sind auch eine Möglichkeit, sich Fangfragen anzunähern!


Solmaz Alevifard, Jobcoach und Expertin in Sachen Bewerbungstraining bei WBS TRAINING

Fazit:


Du kennst jetzt die Absichten hinter den Fangfragen. Sie sind ein Mittel, um in kurzer Zeit möglichst viel über einen Menschen – dich – herauszufinden, mit dem man lange und gut zusammenarbeiten möchte. Es geht nicht um Perfektion, sondern um deine Persönlichkeit. Also zeig dich! Am besten versuchst du, die Brainteaser als spielerische oder sportliche Sache zu betrachten und deine ganze Kreativität und Phantasie zu nutzen. Wenn du für die oben stehenden Fragen deine eigenen Antworten findest, bist du schon mal gut im Training.

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