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Bildung und Förderung

Flipped Classroom in der Weiterbildung.


Mann mit halblangen Haaren sitzt vor einem Laptop und hält eine Tasse Kaffee in der Hand.
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Das Wichtigste in Kürze:
  • Beim Flipped Classroom erarbeitest du dir neues Wissen selbstständig vorab und nutzt die gemeinsame Zeit für Anwendung und Austausch.
  • Du lernst flexibel mit unterschiedlichen Medien, bestimmst dein Tempo selbst und übernimmst Verantwortung für deinen Lernprozess.
  • In der moderierten Workshopphase vertiefst du Inhalte, präsentierst Ergebnisse und klärst Fragen kollaborativ mit der Gruppe.
  • Praxisnahe Projekte und klare Aufgaben fördern neben Fachwissen auch Future Skills wie Selbstmanagement, Kollaboration und kritisches Denken.

Denk mal zurück an deine Schulzeit; die Schulstunden verliefen sicher alle ähnlich: vorn die Lehrkraft, mehr oder weniger bemüht, möglichst viel Lernstoff in 45 Minuten vorzutragen. Auf der anderen Seite die eher passive Klasse, die sich berieseln lässt. Durch Hausaufgaben sollte das Gehörte dann vertieft und idealerweise auch angewendet werden. So weit, so standardisiert und mithilfe des Druckmittels der Noten ja auch hinlänglich effektiv.

Aber es gibt zum Glück noch andere Wege der Wissensvermittlung; die Methode Flipped Classroom etwa dreht den Prozess einfach um. Lernende eignen sich ihre Inhalte selbst an und lösen damit die gestellte Aufgabe. Anschließend wird in der Klasse diskutiert und ausprobiert, es werden Fragen geklärt und Erfahrungen ausgetauscht. Der spannende Punkt: Die Verantwortung dafür, wie das Wissen in den Kopf kommt, trägt jede selbst. Die Lehrkraft bereitet das Lernangebot vor und begleitet dann wieder bei der Anwendung.

Flipped Classroom: Definition und deutsche Übersetzung.

Der Flipped Classroom oder manchmal auch Inverted Classroom (deutsch: umgedrehter Unterricht oder invertiertes Klassenzimmer) ist eine didaktische Methode, bei der die Wissensvermittlung ohne die Lehrkraft, selbstständig und aktiv, erfolgt. Die gemeinsame Zeit im Klassenraum wird anschließend für die praktische Anwendung genutzt.

Traditionell: Zuerst erfolgt der Input im Frontalunterricht durch die Lehrkraft, dann kommt das Üben oder Vertiefen allein zu Hause. 

Flipped Classroom: Die Lernenden erarbeiten sich ihren Input allein vorab, dann kommen alle zusammen und die Lehrkraft begleitet bei Übungen im Klassenraum.

Wie funktionieren die zwei Phasen der Flipped Classroom Methode?

Phase 1: In der Didaktik spricht man von der individuellen Lern- und Projektphase zu Beginn der Lerneinheit:

  • Die Lernenden werden mit Material versorgt und erhalten meist eine Aufgabe oder ein Ziel, das es zu erreichen gilt. 
  • Sie sind in dieser ersten Phase auf sich allein gestellt, es steht ihnen aber frei, sich in Lerngruppen zu organisieren. 
  • Jede:r lernt so, wie es ihm oder ihr entspricht und bedient sich nach Vorliebe und Wissensbedarf am vorbereiteten Lernstoff. 
  • Lesen, Videos anschauen, Podcasts hören, Menschen befragen – wie auch immer das neue Wissen am besten aufgenommen wird, entscheiden alle selbstständig und stellen sich ihre Medien aus der bereitgestellten Auswahl zusammen.

Die zweite, moderierte Workshopphase folgt dann im Klassenraum:

  • Die Lehrkraft ist anwesend und moderiert, motiviert und aktiviert, während die Lernenden im lebhaften Austausch ihre Ergebnisse präsentieren und ihre Lernpfade beschreiben. 
  • Das kann in Kleingruppen oder in der großen Runde geschehen, auch können weitere Aufgaben gemeinsam gelöst und Übungen durchgeführt werden. 
  • Die Lehrkraft begleitet, motiviert und aktiviert, lässt fachliche Fragen aber möglichst innerhalb der Gruppe klären. Ähnlich, wie in agilen Arbeitsteams ist die Aufgabe hier eher SCRUM Master als Kontrollinstanz.

Die Rolle der Lehrkraft im Flipped Classroom wandelt sich vom „sage on the stage“ zum „guide on the side“: Die Lehrenden verlassen ihren Platz als „Weise auf der Bühne“ und werden zur „Begleiter:in an der Seite“, also auf Augenhöhe. Sie werden nicht mehr als autoritär und allwissend wahrgenommen, sondern als Unterstützer:in, Möglichmacher:in oder Sparringspartner:in. 

Flipped Classroom Erfahrung in der Weiterbildung.

Eine fröhliche Frau im Homeoffice sitzt vor ihrem Laptop.

Wie der Flipped Classroom in der Erwachsenenbildung tatsächlich funktioniert, wissen wir aus unserem Bildungsangebot, denn auch WBS TRAINING bietet Kurse an, die vollständig im Modell des umgedrehten Klassenzimmers ablaufen. Sinnvoll ist diese Methode im Bereich der Digitalisierung, Anwendung von KI, Prozessautomatisierung oder Lehrmittelentwicklung, aber auch im Business Development mit KI.

Wer sich bereits souverän im digitalen Raum bewegt, profitiert besonders von der hohen Praxisnähe. So funktioniert Flipped Classroom exemplarisch bei uns: Die Lernenden erhalten zu Beginn jeder Lerneinheit eine kurze Einführung ins Thema durch ihre Trainer:in und tauchen dann direkt ein in die fiktive Arbeitswelt.

Die individuelle Lern- und Projektphase.

Ein realistisch gestalteter Arbeitsauftrag, wie er auch im Berufsleben vergeben werden könnte, steht am Anfang der Lerneinheit. Das Briefing als Mail einer imaginierten Vorgesetzten skizziert eine realitätsnahe Situation und enthält präzise Anforderungen an das Ergebnis, etwa so:

Mit dem Kurzfilmwettbewerb „KI-NO? KI-YES!“ hast du die Möglichkeit, deine kreative Filmidee einzureichen. Der Clou: Der Film soll ausschließlich mit KI-Tools generiert werden! Das Thema deines Kurzfilms darfst du frei wählen und du hast auch freie Hand bei der Wahl deines Filmgenres.

Der Weg zum Ergebnis wird von den Lernenden selbstständig und individuell gestaltet: 

  • Zur Verfügung steht eine gut gefüllte und klar strukturierte Mediathek voller kuratierter und selbst produzierter Lernmedien, die immer auf dem neuesten Stand sind. Das können Videos und Tutorials sein, Quizzes, Podcasts oder Literatur.
  • Jede:r kann sich genau die Inhalte wählen, die seinem und ihrem Wissensstand entsprechen, und im persönlichen Tempo bearbeiten. 
  • Ob lieber allein oder mit Kolleg:innen gelernt wird, steht den Teilnehmer:innen frei. Eine Ansprechperson ist zu jeder Zeit erreichbar, alleingelassen wird niemand.
  • Die Bewertungskriterien für das Ergebnis und das Lernziel sind klar definiert und für alle nachvollziehbar.

Die moderierte Workshopphase.

In der zweiten Phase treffen sich alle per Videocall in der Teams-Anwendung. Sie ist geprägt von intensivem Austausch untereinander und mit der Trainer:in, die moderiert und strukturiert. Fachliche Fragen sind eher nicht Trainer:in- Aufgabe; die beantworten sich die Lernenden meist ohnehin gegenseitig. Was macht schließlich mehr Freude, als frisch erworbenes Wissen direkt weiterzugeben?

Die Lehrkraft entscheidet in dieser Phase, ob das Üben in Breakout-Sessions (Kleingruppen) sinnvoll ist, oder ob die Gruppe von Präsentationen in der großen Runde profitiert. Sie hat ein Auge auf die Gruppendynamik, aber auch auf jede:n Einzelne, kann motivieren und aktivieren, trösten und aufbauen, sich um technische Fragen kümmern, Feedback geben und einordnen. 

Was sind die Vorteile der Flipped Classroom Methode?

Die Frage beantwortet Sabine Gatt, Teamleitung bei WBS TRAINING, aus ihrer langjährigen Erfahrung: 

Durch das eigenverantwortliche Lernen und Organisieren eignen sich alle Teilnehmenden quasi nebenbei wichtige Future Skills an: Kollaboration und Problemlösefähigkeit, Selbstmanagement, analytisches und kritisches Denken werden permanent trainiert. Kompetenzgewinn steht im Vordergrund, denn theoretisches Wissen ist ja überall verfügbar. Anwendungsskills sind entscheidend.

Bedeutet Flipped Classroom: alles selbst machen?

Nun könnte man flapsig fragen, wofür denn eigentlich die Kursgebühren anfallen, wenn man doch den Großteil selbst erledigt. Die Rolle der Trainer:innen und des Entwicklungsteams ist allerdings nicht zu unterschätzen. Jeder Kurs wird bei uns bis ins Detail ausgetüftelt und bei Bedarf auch immer wieder angepasst. Die Themen, wie KI und Digitalisierung, gehören immerhin zu den Faktoren der aktuellen Arbeitswelt, die sich am schnellsten ändern. Deshalb sind die Lernmedien in der Bibliothek immer auf dem neuesten Stand und bieten für jeden Lerntyp ansprechende Inhalte.

Die Erfahrung zeigt, dass Lernerfolge auch an Trainer:innenpersönlichkeiten hängen. Begeisterung für den Stoff und die Freude am Vermitteln sind ebenso entscheidend, wie Herzlichkeit und Empathie. Sabine ergänzt:

Unsere Trainer:innen sind auch Botschafter:innen aus der Praxis, sie haben einen fachlichen Berufshintergrund und können das Gelernte immer in Relation zur echten Arbeitswelt setzen. Sie teilen ihre Erfahrungen und kennen den Markt.

Sabine Gatt

Teamleitung bei WBS TRAINING

Wie sorgt man dafür, dass sich wirklich alle vorbereiten?

Durch den klar definierten und realistischen Arbeitsauftrag zu jedem neuen Thema kommen die Lernenden schnell in eine positive Haltung. Es fühlt sich eben nicht an wie Schulbank, sondern wie ein neuer, spannender Job – und da will man ja auch performen. Die Freiheit, einen eigenen Lösungsweg zu finden, motiviert zusätzlich. Ein großer Ansporn ist die Tatsache, dass die fertigen Projekte als Arbeitsproben das eigene Portfolio bereichern.

Sabine Gatt, Teamleitung bei WBS TRAINING

Übersicht: Klassischer Frontalunterricht vs. Flipped Classroom bei WBS TRAINING.

Vorab sei angemerkt, dass es in heutigen Klassenräumen selbstverständlich kreative und spannende Mischformen mit aktivierenden, klassischen Unterrichtsmethoden gibt. Die Tabelle stellt den klassischen Unterricht vereinfacht dar, um den Unterschied zu verdeutlichen.

Klassischer Frontalunterricht Flipped Classroom bei WBS TRAINING
Wissen wird serviert, Lernende sind eher passiv. Aufgabe erzeugt Wissensbedarf. Lernende recherchieren aktiv in der Mediathek.
Hausaufgaben allein, Lücken werden deutlich. Anwendung gemeinsam, Lücken werden kollaborativ gefüllt.
Lehrkraft hat hierarchische Position; "sage on the stage". Lehrkraft ist Sparringspartner:in auf Augenhöhe, "guide on the side".
Wissen wird in Klausur abgefragt. Kenntnisse werden in eigenen Projekten direkt angewendet (Klausuren möglich).
Merkfähigkeit ist gefordert, weitere Kompetenzen sind nebensächlich. Arbeits- und Zukunftskompetenzen werden automatisch trainiert.
Verantwortung für Wissenserwerb wird gern auf die Lehrkraft geschoben. Verantwortung für Wissenserwerb liegt klar bei den Lernenden.
Lerntempo ist an Lehrvortrag gebunden. Lerntempo kann selbst bestimmt werden.

Fazit: Flipped Classroom kann effizient sein und inspirieren.

Flipped Classroom macht Spaß, denn idealerweise fühlt es sich an wie Lernen als Schnitzeljagd: Wenn du selbst merkst, welche Information und welches Wissen du benötigst, um dein Ziel zu erreichen, ist der Antrieb größer, es zu finden. Außerdem wird dein Gehirn es nachhaltig und schnell speichern, da du es nicht nur auswendig lernst, sondern direkt anwendest.

Alle Kurse bei WBS TRAINING enthalten große Praxisanteile, ganz gleich, ob du Buchhaltung mit SAP® lernst oder Krisenmanagement im Business-Game-Format. Die direkte Anwendung steht immer im Fokus.

Unsere Bootcamps mit der Flipped Classroom Methode gehen einfach noch einen Schritt weiter und bilden damit auch die agile Arbeitswelt ab: Eigenverantwortlichkeit und selbstbestimmtes Lernen mit vielen Feedbackschleifen und Kollaboration. Unterstützt von Lernbegleiter:innen, die Dinge möglich machen und Hindernisse aus dem Weg schaffen. Der Austausch untereinander inspiriert, denn es gibt meist mehr als einen Lösungsweg. Und wichtige Future Skills bekommst du automatisch dazu.