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Bewerbung und Karriere

Introvertiert oder extrovertiert – welcher Job passt zu mir?


Mann mit verschränkten Armen lächelt in die Kamera
Das Wichtigste in Kürze:
  • Introversion und Extroversion sind keine Gegensätze; die meisten Menschen vereinen beide Anteile in unterschiedlicher Ausprägung.
  • Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Jobs, aber passende Arbeitsbedingungen.
  • Temperament und Wesensart sagen nichts über Kompetenz oder Leistung aus.
  • Sowohl introvertierte als auch extrovertierte Menschen können erfolgreich führen.
  • Im Bewerbungsgespräch beschreibst du besser deine Arbeitsweisen und Stärken, anstatt dich selbst mit einem Label zu versehen.

Was hat es mit diesen Typenbeschreibungen auf sich, erkennst du dich wieder und wofür nützt dir die Erkenntnis? Das erfährst du in diesem Ratgeber und erhältst außerdem Hintergrundwissen zu den verschiedenen Persönlichkeitstypen und Tipps für Bewerbungssituationen.

Was bedeutet introvertiert und extrovertiert?

Beginnen wir mit der Worterklärung: „Introvertiert“ bedeutet wörtlich „nach innen orientiert“. „Extrovertiert“ beschreibt das Gegenteil: „nach außen gerichtet“. Übrigens findet man im wissenschaftlichen Zusammenhang meist die Schreibweise extravertiert, während sich im Sprachgebrauch die O-Version eingeschliffen hat. Beides gilt als korrekt.

Allgemein nutzt man diese Begriffe, um menschliches Verhalten zu beschreiben: Während Introvertierte eher zurückhaltend und beobachtend agieren, zeigen sich Extrovertierte lebhaft und kontaktfreudig. Sie stehen gern im Rampenlicht oder übernehmen bereitwillig die Organisation innerhalb einer Gruppe.

Historische Einordnung: MBTI und Big-Five-Modell.

In den 1920er Jahren beschrieb der Psychiater Carl Gustav Jung erstmalig diese verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale. Bald darauf, in den 1940er Jahren, erschien der erste Persönlichkeitstest, der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI), der bis heute beliebt ist, obwohl er einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Durch viele Studien belegt ist heute das Big-Five-Persönlichkeitsmodell; eine fundierte Alternative. Eine der fünf Eigenschaften ist die Extraversion, also die Geselligkeit eines Menschen. Sie wird aber nicht als Entweder-oder-Möglichkeit erfasst, sondern als Spektrum. Sprich, jeder Mensch kann sich an einer Stelle zwischen viel oder wenig Geselligkeit einordnen.

Intro oder extro? Du musst in keine Schublade passen.

Du weißt nicht, ob du introvertiert oder extravertiert bist? Keine Sorge, die meisten Menschen bewegen sich irgendwo zwischen den beiden Polen. Nur wenige haben eine oder die andere Seite sehr stark ausgeprägt. Warum also darüber nachdenken?
Deine Fähigkeiten und Eigenheiten zu kennen und zu reflektieren, kann bei Jobentscheidungen eine Rolle spielen. Denn eine Ausprägung in die eine oder andere Richtung kann Einfluss auf deinen Energiehaushalt haben:

  • Du stellst immer wieder fest, dass es dich sehr anstrengt, in großen Gruppen zu agieren und mit vielen Menschen im Austausch zu sein. Wenn du die Ruhe deiner eigenen vier Wände wieder hast, bist du heilfroh? Das kann daran liegen, dass du ein eher introvertierter Mensch bist und produktiver allein arbeitest, wenn du fokussiert vorgehen kannst.
  • Andersherum kann es sein, dass du im Homeoffice vereinsamst, unfokussiert bist oder an einem ruhigen Arbeitsplatz nicht recht glücklich wirst, weil dir der dynamische Austausch, die Reibung oder das Organisieren fehlt.

Wichtig dabei: Diese Feststellung sagt nichts über deine fachliche Kompetenz aus. Sie beschreibt lediglich deine Wesensart und gibt dir Orientierung, welche Tätigkeiten dich Energie kosten und welche deinen inneren Akku auffüllen.

Gibt es typische Jobs für introvertierte oder extrovertierte Menschen?

Wer sich für den Beruf der Lehrer:in oder der Investigativreporter:in entscheidet, hat es mit einer guten Portion Extrovertiertheit sicher leichter im Arbeitsalltag. Auch Vertriebsjobs oder eine Rolle im Eventmanagement brauchen die Bereitschaft, Menschen zu aktivieren, zu verhandeln, zu motivieren. Andersherum profitieren Forschende, Programmierer:innen oder Data Analyst:innen beispielsweise von einer introvertierten Tendenz, die es ihnen erlaubt, sich ganz in ihre Aufgabe zu vertiefen, zu beobachten und fokussiert allein zu arbeiten.

Interessanterweise beschreiben sich auch erfolgreiche Bühnenkünstler selbst häufig als introvertiert. Die Bühne ist für sie ein sicherer, weil kontrollierbarer Ort, während die Premierenparty oder Preisverleihungen pure Anstrengung bedeuten.

Grundsätzlich kann natürlich jede und jeder auch jeden Beruf ausüben. Es kann aber sein, dass dich die äußeren Bedingungen viel Energie kosten. Dann lohnt es sich, zu schauen, woran das liegen könnte, warum dich Teile deiner Arbeit anstrengen. Nicht alle blühen im Großraumbüro auf, genauso wie das Alleinsein als Lokführer:in oder LKW-Fahrer:in nicht jedermanns Sache ist.

Anstatt dich für einen anderen Job zu entscheiden, überlege, ob du deine Arbeitsbedingungen anpassen kannst. Sei es ein Arbeitsplatzwechsel vom dynamischen Start-up in den eher strukturierten Konzern oder einige Homeoffice-Tage für bestimmte Aufgaben. Sprich mit deinen Vorgesetzten – von optimalen Bedingungen profitieren schließlich alle.

Wie unterschiedliche Typen in klassischen Jobsituationen reagieren.

Bin ich introvertiert oder extrovertiert? Und wie finde ich das heraus? Vielleicht erkennst du diese Situationen aus deinem Arbeitsleben und kannst dein Verhalten besser einordnen – oder das der Kolleg:innen:

Situation Eher introvertiert Eher extrovertiert
Nach stundenlangem Meeting-Marathon: Braucht Ruhe zum Aufladen und Gedanken sortieren. Fragt, wer noch Lust auf einen Drink hat.
Neue Ideen sind gefragt: Erst mal in Ruhe recherchieren und durchdenken. Spontan laut brainstormen mit Kolleg:innen.
Konflikt im Team: Schriftlich klären oder Einzelgespräch. Direkt ansprechen in der Kaffeeküche oder im Meeting.
Homeoffice: Dankbar produktiv allein zu Hause. Austausch fehlt, Energielevel sinkt.
Networking-Event: Anstrengend, aber machbar mit Pausen. Energiequelle, blüht auf.

Fachleute raten, Arbeitstermine nicht nur nach Zeitumfang, sondern auch nach Energielevel zu planen. Bist du eher introvertiert und hast einen gesellschaftlichen Termin oder eine Präsentation im Kalender? Plane ausreichend Zeit zur Vorbereitung oder Ruhephasen im Anschluss ein.

Bist du tendenziell extrovertiert, sorge dafür, dass du auch im Homeoffice oder in langen Fokus-Phasen sozialen Austausch hast, etwa durch Lunch-Dates oder einen Spaziergang durchs Viertel.

Introvertiert oder extrovertiert, wer ist im Beruf erfolgreicher?

Eine Gruppe junger Kollegen und Kolleginnen befinden sich in einem Meeting und unterhalten sich

In Zeiten von Social Media, Reichweite und starker Medienpräsenz überall kann leicht der Eindruck entstehen, extravertierte Menschen seien erfolgreicher oder es gäbe einfach viel mehr von ihnen. „Oh je, alle außer mir sind extrovertiert.“ Kennst du den Gedanken?

Verständlich, denn Menschen mit stark ausgeprägter Extroversion sind meist gut darin, sich bemerkbar zu machen. Das gilt natürlich auch, wenn es um Beförderung im Job geht. Zudem finden sich online viele Ratgeber, die sich ausschließlich an Introvertierte wenden, fast so, als hätten die es schwerer oder bräuchten mehr Unterstützung. Dabei haben beide Persönlichkeitstypen ganz klar ihre Stärken und sicher auch ihre Herausforderungen. Es wäre also Unsinn, zu behaupten, dass die eine oder die andere Ausprägung zu mehr Erfolg im Job verhilft.

Typische Stärken im Beruf 

Diese Stärken weisen introvertierte Persönlichkeiten häufig auf:

  • Aufmerksames Zuhören, Beobachtungsgabe 
  • Durchdachte Entscheidungen
  • Tiefe Beziehungen statt oberflächlicher Netzwerke
  • Raum geben und Empowerment
  • Strategisches Denken und Fokus
  • Kreativität und Empathie
  • Talent, sich in Themen zu vertiefen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Extrovertierte Menschen zeichnen sich oft durch diese Stärken aus:

  • Motivationskraft und ansteckende Energie
  • Schnelle Entscheidungen
  • Spontaneität und Risikobereitschaft
  • Networking und Geselligkeit
  • Durchsetzungsfähigkeit und Dominanz
  • Sichtbarkeit und Präsenz
  • Offenheit und Neugier

Introversion, Extroversion und Führung.

Auch der Mythos von der extravertierten Führungskraft hält sich hartnäckig, dabei bringen beide Wesensarten Führungsqualitäten mit sich. Ausgeprägt extrovertierte Führungspersönlichkeiten werden sicherlich eher als solche wahrgenommen, da sie stärker nach außen kommunizieren und netzwerken.

Eher introvertierte Leader:innen können durch Besonnenheit, aufmerksames Zuhören und das Fördern von Eigeninitiative ebenso erfolgreich sein. Vermutlich besteht auch hier wieder eine verzerrte Wahrnehmung: Introvertierte scheinen seltener Leadership-Positionen zu besetzen, weil sie im Auswahlprozess weniger „leader-like“ wirken. Das ist aber eine Frage der Strukturen oder Gewohnheiten und hat nichts mit ihrer Kompetenz zu tun.

Die Forschung zeigt: Es kommt auch darauf an, WEN du führst. Leitest du ein Team aus Profis, die selbstständig arbeiten? Glückwunsch, dein introvertierter Führungsstil ist vermutlich effektiver. Willst du ein unerfahrenes Team motivieren und anleiten? Dann helfen extrovertierte Qualitäten sicher mehr.

Introvertiert oder extrovertiert – ein Thema fürs Bewerbungsgespräch?

Angenommen, du fühlst dich dem einen oder anderen Typ Mensch zugehörig, solltest du dies im Bewerbungsgespräch ansprechen? Expert:innen raten, diese Typologisierung nicht als Label zu verwenden. Hier sind die Gründe:

  • Es kann als Ausrede oder Schwäche missverstanden werden: „Ich bin introvertiert, also kann ich nicht präsentieren“.
  • Es reduziert dich auf eine Eigenschaft und schränkt die Wahrnehmung des Gegenübers ein.
  • Recruiter:innen könnten es falsch interpretieren, etwa als nicht teamfähig, nicht führungsfähig.
  • Es kann unseriös wirken, als würdest du dein Sternzeichen benennen. „Ich bin Steinbock, deshalb …“

Nun haben wir ja weiter oben gerade empfohlen, deine Arbeitsbedingungen bewusst zu gestalten, sofern dies möglich ist. Was kannst du also tun, um im Gespräch deinem Temperament Rechnung zu tragen?

  • Konkrete Arbeitsweisen beschreiben: „Ich arbeite gern konzentriert und profitiere von Rückzugsmöglichkeiten zwischendurch“ oder „Ich tanke Energie in Team-Settings“
  • Nach konkreten Strukturen fragen: „Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Wie viele Meetings gibt es?“ anstatt „Ist das was für Introvertierte?“
  • Stärken zeigen, die zufällig intro- /extro-assoziiert sind: „Ich höre gern zu und stelle dann gezielte Fragen“ oder „Ich entwickle Ideen gern im Austausch und kann andere mitreißen.“

Generell hilft dir in Verhandlungssituationen das positive Paraphrasieren. Klingt kompliziert? Ist es nicht: Überlege dir einfach, wie du abwertende oder negativ klingende Aussagen ins Positive drehen oder als konstruktiven Vorschlag formulieren kannst. 
Hier drei Beispiele:

  • „Kann ich zwei Tage remote arbeiten?“ statt „Ich arbeite lieber allein.“
  • „Wie wäre es, wenn wir Meeting-freie Vormittage einführen?“ statt „Ich mag keine Meetings.“
  • „Gibt es einen Rückzugsraum für Fokusarbeit?“ statt „Das Großraumbüro nervt.“

Erfolgreich bewerben: In unserem Ratgeber findest du viele hilfreiche Anregungen und praktische Tipps für deine Bewerbung, von der Gesprächsvorbereitung über das Bewerbungsfoto bis zum Einsatz von KI.

Fazit: Gestalte deinen Job so, dass er zu dir passt.

Anstatt an dir zu zweifeln oder dich unter Druck zu setzen, kenne deine Arbeitsweise und die Bedingungen, unter denen du produktiv bist. Lass die anderen vermeintlich mehr schaffen, weil sie mehr Aufmerksamkeit bekommen, oder anspruchsvolle Projekte bearbeiten, weil sie so konzentriert und analytisch vorgehen.

Gewöhne dir ab, dich zu vergleichen, sondern fokussiere dich auf deine Fähigkeiten. Du bist deine eigene Energiemanager:in und sorgst dafür, dass du deine Stärken und Talente gut nutzen kannst. Das ist sicher nicht immer ganz einfach umzusetzen. Aber wenn deine nächste Jobentscheidung ansteht, weißt du, worauf du achtest und wie du kommunizierst.

Plane Zeit ein, wenn dir gründliche Vorbereitung Sicherheit gibt, und sorge für Austausch, wenn du Stimulation von außen benötigst. Jede Branche bietet Wirkungsfelder für introvertierte und extrovertierte Menschen.