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Kreativitätstechniken für neue Karrierewege: So findest du frische berufliche Perspektiven.


Mann sitzt auf Sofa und schreibt in Notizbuch
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Das Wichtigste in Kürze:
  • Kreativität hilft dir, berufliche Möglichkeiten neu zu sehen und gewohnte Denkmuster zu durchbrechen.
  • Vom guten alten Brainstorming über die Sechs Hüte bis zu Design Thinking – hier findest du Methoden mit Anwendungsbeispielen.
  • Design Thinking kommt zwar aus der Produktentwicklung, lässt sich aber auch auf die eigene Karriere anwenden.
  • Mit Prototyping die eigene Karriere in eine neue Richtung lenken? Hier steht, wie es geht.

Kreativität kann dir bei deiner Karriere helfen. Steile These – warum ausgerechnet Kreativtechniken, fragst du dich. Du brauchst schließlich keine neuen Farben im Büro und kreatives Schreiben ist in Zeiten von KI ja wohl auch vorbei.

Warte ab. Bei den Methoden, die du hier gleich kennenlernst, geht es darum, gewohnte Gedankenpfade zu verlassen, Denkmuster zu durchbrechen und neue Ideen zu entwickeln. Das kann sowohl im privaten Kopfkarussell eine Erleichterung sein als auch im Team, wenn Lösungen gesucht werden und Innovation gefragt ist. Lass dich überraschen – ein bisschen kreatives Schreiben könnte schon vorkommen.

Warum Kreativität deine Karriere beleben kann.

Neue Karrierewege entstehen oft durch Perspektivwechsel, wenn alte Antworten nicht mehr passen. Wenn sich alles eigentlich okay, aber nicht richtig gut anfühlt und du nicht so recht weißt, wo der Schuh drückt und wie du weitermachen sollst, dann ist es Zeit für Kreativität, für Gedankenakrobatik, Fantasie und für Spieltrieb.

Was bedeutet das konkret? Du lernst hier sowohl kleine Übungen für einen Denkanstoß kennen als auch Ideen, die du einige Wochen lang in deinen Alltag integrierst. Außerdem stellen wir dir die Methode Design Thinking vor, denn sie ist nicht nur im Job hilfreich, sondern du kannst sie auch erfolgreich auf dich selbst und dein Leben anwenden.

Alle Kreativ-Methoden für deine Karriere helfen dabei, eingefahrene Gedanken aufzuwirbeln. Anstatt dich im Kreis zu drehen und nicht weiterzukommen, kannst du mit frischer Perspektive herausfinden, was dein nächster Schritt sein kann. Die Methoden lassen sich gut allein anwenden, funktionieren aber alle auch im Team.

Beispiel: So kann eine neue berufliche Perspektive entstehen.

  • Ausgangssituation: Unzufriedenheit im bisherigen Job. Du würdest gern etwas ändern, aber findest tausend Gründe, warum das derzeit nicht geht. Dein Blick ist verengt, dein Fokus liegt auf den Grenzen und auf dem, was dich nervt.
  • Kreativübung: Du brichst die gewohnten Denkstrukturen auf, spielst mit Ideen und Optionen, ohne zu bewerten. Was passiert? Du gewinnst Klarheit über deine Werte, Ziele, Träume. Du hinterfragst auch angenommene Wahrheiten. So kommst du auf neue Berufsideen: Vielleicht musst du gar nicht den Job wechseln, sondern nur das Team. Oder du denkst darüber nach, ob du im Start-up oder im Konzern besser aufgehoben bist. Du brauchst vielleicht neues Wissen für den nächsten Schritt, oder du machst dich endlich selbstständig, weil du weißt, wo du hinwillst. Was auch passieren kann: Du willst gar nichts mehr verändern, denn du schaust anders auf deinen Status quo und beginnst, ihn zu schätzen.
  • Ergebnis: Der Knoten im Kopf hat sich gelöst, du recherchierst erste Optionen für Weiterbildung, Quereinstieg oder Neuorientierung und startest gezielte Gespräche, die dich inspirieren. Kreativtechniken zielen nie auf eine perfekte Lösung, sondern öffnen deine Perspektive.

Kreativitätstechniken, die dich beruflich weiterbringen.

Starten wir mit einigen Klassikern: Kreativitätstechniken, die du im Team, aber auch allein anwenden kannst. Du bekommst hier eine kurze Beschreibung jeder Technik. Weiter unten findest du noch eine übersichtliche Tabelle mit Anwendungsbeispielen. Zum Ausprobieren brauchst du Ruhe, Zettel und Stift oder Tastatur.

Kennste? Klar, Brainstorming ist die alte Tante unter den Kreativtechniken, aber dadurch nicht weniger wirksam. Es geht darum, alle Gedanken aus dem Kopf aufs Papier zu bringen, sichtbar zu machen und anschließend zu sortieren. Das bringt Klarheit und schafft Raum für neue Gedanken.

Eine schlichte Liste genügt. Du stellst dir einfache Fragen, etwa: Was kann ich gut? oder: Welche Jobs könnte ich machen? oder auch: Was gibt mir Energie? Was halte ich für unmöglich? oder: Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite? Du notierst absolut alles, was dir dazu einfällt, ohne zu bewerten. Beim Team-Brainstorming würde zuerst jede:r für sich sammeln. Oder ihr nutzt verschiedene Whiteboards und die Teammitglieder rotieren im Raum und ergänzen Listen.

Die Mindmap ist noch intuitiver: In die Mitte eines großen weißen Blattes schreibst du beispielsweise „Meine Arbeit“ und notierst dann Gefühle, Gedanken, Ziele und alles, was dir zum Thema einfällt, drumherum. Dabei entstehen Äste, die vom Mittelpunkt ausgehend in den weißen Raum hineinwachsen. „Meine Arbeit – Karriere – Beförderung? – mehr Verantwortung – Druck – Zweifel – …“ Nach einer kleinen Pause betrachte dein Werk und prüfe:

  • Was hat eine unerwartete emotionale Ladung – positiv oder negativ?
  • Was taucht mehrfach auf, auch wenn es anders formuliert ist?
  • Welche Äste sind besonders dicht geworden?
  • Was fehlt – etwas, das du erwartet hättest, aber nicht geschrieben hast?

Diese Muster, nicht die einzelnen Begriffe, sind das eigentliche Ergebnis.

Beim Journaling hältst du deinen aktuellen Status regelmäßig schriftlich fest. Was manchmal mühsam erscheint, hat meist beim späteren Lesen einen überraschenden Effekt. Du schreibst aber in diesem Fall nicht einfach drauflos, sondern gibst dir Regeln: 

Formuliere alle Gedanken als Frage, etwa: Was passiert, wenn ich kündige? Wie lange soll ich noch in der Abteilung bleiben? Was wollte ich werden, als ich zwölf war? Wofür schätzen mich die Kolleg:innen?

Oder du schreibst über dich in der dritten Person: „Er überlegt, ob ein Jobwechsel schlau wäre. Er macht sich Sorgen, weil die Branche sich verändert. Aber kennt er die Fakten?“

Probiere es aus; der Abstand erzeugt Klarheit.

Eine Kreativitätstechnik aus dem Produktdesign; jeder Buchstabe steht für eine andere Denkoperation. Auf die eigene Karriere angewendet funktioniert es so:

S – Substitute (Ersetzen): Was, wenn ich einen zentralen Bestandteil meiner Arbeit durch etwas anderes ersetze?
„Was, wenn ich statt Kunden jetzt Mitarbeiter entwickle?“
„Was, wenn ich mein Fachwissen in einer anderen Branche einsetze?“
Ziel: Einen vertrauten Baustein herausnehmen und schauen, wie sich alles verändert.

C – Combine (Verbinden): Welche zwei Dinge, die ich kann oder mag, wurden bisher nie zusammengebracht?
„Was, wenn ich Programmieren und Psychologie kombiniere?“
„Was, wenn ich mein juristisches Wissen mit meiner Leidenschaft für Stadtplanung verbinde?“
Ziel: Nischenpositionen entdecken, die für andere schwer zu kopieren sind, weil sie genau die eigene, ungewöhnliche Kombination benötigen.

A – Adapt (Anpassen): Was funktioniert in einem anderen Kontext, das ich auf meine Situation übertragen könnte?
„Wie würde meine Freundin an die Sache herangehen?“
„Welches Prinzip aus der Natur kann ich hier anwenden?“
Ziel: Lösungen und Rollen aus fremden Feldern als Inspiration nutzen, statt nur innerhalb der eigenen Branche zu suchen.

M – Modify/Magnify/Minify (Verändern/Vergrößern/Verkleinern): Was, wenn ich etwas an meiner Arbeit radikal verändere: mehr davon, weniger davon, ganz anders?
„Was, wenn ich nur noch das mache, was ich wirklich gut kann, und alles andere abgebe?“
„Was, wenn ich aus meinem Vollzeitjob ein 20-Stunden-Modell mache?“
Ziel: Die eigene Rolle nicht als festes Paket betrachten, sondern als etwas Formbares.

P – Put to other uses (Anders einsetzen): Wofür könnte ich meine vorhandenen Fähigkeiten noch einsetzen – außer dem Offensichtlichen?
„Wo wird gebraucht, was ich kann, aber ich habe diesen Markt noch nie in Betracht gezogen?“ 
„Welche meiner Fähigkeiten werden in einer anderen Zielgruppe viel mehr wertgeschätzt?“
Ziel: Den Blick von der Rolle lösen und auf die Fähigkeiten selbst richten – die sind oft vielseitiger einsetzbar, als man denkt.

E – Eliminate (Weglassen): Was würde ich sofort streichen, wenn ich noch einmal anfangen würde?
„Welche Aufgaben mache ich nur aus Gewohnheit oder weil ich sie mal gut konnte?“ 
„Was in meinem Berufsbild kostet mich Energie, ohne mir etwas zurückzugeben?“
Ziel: Klarheit darüber, was man nicht mehr will – oft der direkteste Weg zu dem, was man wirklich will.

R – Reverse/Rearrange (Umkehren/Umordnen): Was, wenn ich meine Rolle oder meinen Prozess auf den Kopf stelle?
„Was, wenn ich nicht mehr Angestellte bin, sondern Auftraggeber:in?“ 
„Was, wenn ich zuerst das mache, was ich immer ans Ende geschoben habe?“
Ziel: Festgefahrene Selbstbilder und Reihenfolgen aufbrechen – manchmal steckt die Lösung im genauen Gegenteil der bisherigen Annahme.

Tipp: Du musst nicht alle sieben Fragen auf einmal beantworten, das wird zu viel. Besser: Eine konkrete Ausgangssituation formulieren („Ich bin seit acht Jahren Produktmanager:in und weiß nicht, wohin“) und dann zwei oder drei der Fragen wählen, die am stärksten ziehen. Jede Frage in Ruhe und ohne Zensur beantworten. Schreibe unwahrscheinliche und absurde Antworten als Erstes auf. Sie lockern das Denken auf und machen den Weg frei für gute Ideen.

Eine Methode aus der Fehleranalyse, die auch zur Selbsterkenntnis taugt. Mache es wie ein Kleinkind und frage einfach immer weiter penetrant nach dem Warum hinter deinen Gedanken: „Ich will den Job wechseln.“ – Warum? „Ich fühle mich unterfordert.“ – Warum? usw. Nach fünf Ebenen landet man oft bei überraschenden Wahrheiten.

De Bonos Methode aus den 1980ern basiert auf einer einfachen Idee: Beim Grübeln streiten sich meist die Stimmen in unserem Kopf. Fakten, Emotionen, Skepsis und Optimismus, Neugier und Bedenken wechseln sich ab und blockieren klares Denken. Die Hüte stehen für Rollen, die du einnehmen kannst, und zwingen dazu, jeweils nur einen Denkmodus zu aktivieren. Im Team werden die symbolischen Hüte verteilt, du kannst sie aber auch wunderbar nacheinander „aufsetzen“:

  • Weißer Hut – Fakten: nur Daten, Zahlen, nachprüfbare Informationen. Keine Interpretationen, keine Meinungen. „Was weiß ich wirklich über den Arbeitsmarkt? Was kann ich recherchieren?“
  • Roter Hut – Gefühle: Bauchgefühl, Intuition, emotionale Reaktion – ohne Begründung und Bewertung. „Spannung im Nacken oder im Bauch? Was sagt mein Instinkt?“
  • Schwarzer Hut – Kritik: Der vorsichtige, skeptische Blick auf Risiken und Schwachstellen. Nicht negativ gemeint, sondern schützend. „Was könnte falsch laufen? Was übersehe ich?“
  • Gelber Hut – Optimismus: Der konstruktive Gegenpol zum schwarzen. Chancen, Vorteile, bestes Szenario. „Was spricht dafür? Was könnte besonders gut werden?“
  • Grüner Hut – Kreativität und Neugier: neue Ideen, ungewöhnliche Alternativen, Fantasie ist gefragt: „Was wäre, wenn? Welche ungewöhnliche Lösung gibt es?“
  • Blauer Hut – Prozess: der Meta-Hut. Er steuert das Denken, fasst zusammen, zieht Schlüsse. „Wo stehe ich? Was brauche ich als nächstes?“

Die Methode wird auch „Den eigenen Nachruf schreiben“ genannt – klingt drastischer, meint aber dasselbe. Stelle dir also vor, du bist sehr alt und blickst zurück auf dein Leben: Was wird über dein Berufsleben gesagt? Wofür wirst du gelobt, bewundert, was wird hervorgehoben? Diese Rückwärtsmethode kann zum Vorschein bringen, was dir wirklich wichtig ist, was du gut kannst, aber auch, was du vielleicht später bereust, wenn du es nicht versuchst.

Übersicht über Kreativtechniken für deine Karriere.

Kreative Methode Ziel Anwendung Beispiel
Brainstorming & Mind Mapping Gedanken ohne Zensur sammeln und sichtbar machen, wie sie zusammenhängen. Wenn der Kopf voll ist, aber alles diffus bleibt, du tausend halbe Gedanken hast, aber nichts greifen kannst. Sara will „irgendetwas ändern“, kann es aber nicht fassen. Rund um das Wort „Montagmorgen“ schreibt sie fünf Minuten lang alles auf, was ihr in den Kopf kommt. Beim anschließenden Blick stellt sie fest: Rund um „Menschen entwickeln“ hat sich viel gesammelt, während zu „Strategie“ und „Zahlen“ kaum etwas steht. Ein Muster ist erkennbar; ein Denkanstoß ist da.
Journaling mit Regeln Distanz zu sich selbst gewinnen, festgefahrene Gedankenmuster aufbrechen. Wenn sich die Gedanken im Kreis drehen und du immer bei denselben Argumenten landest. Nils schreibt 10 Minuten lang nur Fragen (keine Antworten): „Was hält mich wirklich zurück? Was würde ich tun, wenn Scheitern okay wäre?“ Oder in der dritten Person: „Er überlegt, ob die Selbstständigkeit zu ihm passt ...“
SCAMPER Ungewöhnliche Berufskombinationen und neue Wege entdecken. Wenn du den aktuellen Job nicht aufgeben willst, aber etwas fehlt. Jonas, Buchhalter mit Leidenschaft fürs Kochen: „Was, wenn ich Finanzen und Food kombiniere – Controlling für Gastronomie?“ Ergebnis: ein neues Nischenprofil.
5 x Warum? Oberflächliche Unzufriedenheit auf echte Ursachen zurückführen. Wenn du das Gefühl hast: „Ich muss etwas ändern“, aber nicht weißt, was genau. „Ich will kündigen.“ – Warum? „Ich bin gelangweilt.“ – Warum? „Ich lerne nichts Neues.“ – Warum? „Alle Prozesse sind festgefahren.“ – Warum? „Ich habe keinen Einfluss.“ → Das eigentliche Problem ist Autonomie, nicht der Job selbst.
Die sechs Hüte Eine Entscheidung aus mehreren Perspektiven durchdenken, ohne im gleichen Modus steckenzubleiben. Wenn du eine konkrete Option hast, aber nicht weißt, wie du sie bewerten sollst. Lena überlegt, ob sie eine Stelle im Ausland annimmt. Sie geht die Hüte durch: Weiß (Fakten), Schwarz (Risiken), Gelb (Chancen), Grün (Alternativen), Rot (Bauchgefühl), Blau (Fazit).
Jubiläumsrede Herausfinden, was wirklich wichtig ist – rückwärts vom Lebensende her betrachtet. Sich über eigene Fähigkeiten klar werden. Wenn du dich fragst: „Mache ich das Richtige – oder nur das Naheliegende?“ Claudia schreibt ihren Wunsch-Nachruf: „Sie hat Teams aufgebaut, die ohne sie funktionierten.“ Das zeigt ihr: Was sie wirklich will, ist Führung und Befähigung – nicht Fachexpertise. Ihr aktueller Expert:in-Karriereweg führt gerade in die falsche Richtung.

Lade dir die kostenlose Übersicht herunter und probiere ein, zwei Techniken direkt aus.

Übersicht Kreativtechniken PDF

Design Thinking, die kreative Königsklasse.

In der Designforschung der Universitäten Stanford und Berkeley hatte Design Thinking bereits in den 60er und 70er Jahren seinen Ursprung. Anfang der 2000er wurde es zur Lehrmethode an der Stanford d.school, später Hasso Plattner Institute of Design. Ja genau, der SAP®-Mitgründer förderte die Methode und sie verbreitete sich weit über Produktentwicklung hinaus in Management, Bildung und Sozialpolitik. Plattner war überzeugt, dass Softwareentwickler und Ingenieure dieselbe menschenzentrierte Denkweise brauchen wie Designer.

Und wer hätte das gedacht: Sogar das Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung stellt Design Thinking (wie auch einige andere Kreativtechniken) in seiner Übersicht der Methoden und Techniken vor.*

Was Design Thinking auszeichnet:

  • Empathie ist entscheidend: Es wird aus der Perspektive der Nutzer:innen gedacht.
  • Test mit Prototypen: Statt lange zu grübeln, wird schnell ausprobiert.
  • Positive Fehlerkultur: Scheitern bedeutet Erkenntnisgewinn. Learnings werden direkt beim nächsten Prototypen umgesetzt.
  • Iteratives Arbeiten: Der Prozess zielt nicht linear auf Perfektion, sondern vollzieht sich in Kreisen. Idee – Prototyp – Test – Verbesserung der Idee.
  • Ausprobieren: führt zur Lösung, nicht Theorie und Analyse im Vorhinein.

Design Thinking versteht sich als offene Haltung, nicht als methodischer Fahrplan. Es funktioniert hervorragend in Gruppen oder Teams, denn je mehr unterschiedlichen Input es gibt, desto kreativer der Prozess. Aber auch allein lässt sich die Denkweise prima anwenden. 

*Quelle: Bundesministerium für Digitalisierung, Methoden und Techniken

Die Phasen im Design Thinking Prozess.

Klassischerweise durchläuft der Design Thinking Prozess wiederholt diese Phasen, so lange, bis eine gute Lösung da ist:

  1. Verstehen (Empathize): Was empfinden die Nutzer:innen, was brauchen sie, welches Bedürfnis ist vorherrschend?
  2. Beobachten und Definieren (Define): Fakten werden gesammelt. Welche Bedingungen lassen sich ändern, welche nicht? Was funktioniert gut und was weniger gut usw.?
  3. Ideen finden (Ideate): Brainstorming, alle Ideen sind willkommen.
  4. Prototyp entwickeln (Prototype): Ohne Perfektionsanspruch wird zügig ein günstiges Modell gebaut.
  5. Testen (Testing): Das Modell wird bei Nutzer:innen getestet, Feedback fließt in die Optimierung ein.
Infografik zum Design-Thinking-Prozess mit fünf Schritten in einem Kreis: Verstehen, Beobachten, Idee, Prototyp, Testen

Gestalte deine Karriere mit Design Thinking.

Auch auf dein Leben und deine Karriere kannst du Design Thinking anwenden. Die oben vorgestellten Kreativ-Techniken können dabei praktische Werkzeuge sein. Denn manchmal ist es schwer, ausgerechnet bei sich selbst offen und neugierig ans Werk zu gehen, auch wenn man das bei anderen gut kann. Nutze also ruhig die eine oder andere Lockerungsübung aus der obigen Liste.

Die Stanford-Professoren Bill Burnett und Dave Evans brachten 2016 ihr Buch „Designing your Life“ heraus, der deutsche Titel lautet: „Mach was du willst – Design Thinking fürs Leben“. Sie ergänzen damit die oben aufgelisteten Prozessschritte um einige kreative Übungen:

Verstehen und Beobachten: Empathie für dich selbst.

Der innere Kompass entsteht aus Workview und Lifeview: deinem Blick auf dein Leben und deiner Auffassung von Arbeit. Stimmen Werte, Ziele und Anspruch bei beiden überein, zeigt dein Kompass klar in eine Richtung – du weißt wahrscheinlich, wo du hinwillst. Nicht selten weichen die beiden aber voneinander ab. Um dir darüber klarzuwerden, kommt schon wieder das kreative Schreiben ins Spiel: Schreibe je einen kurzen Text darüber, wie du auf dein Leben und deine Arbeit schaust, was dich antreibt, wo du hinwillst, wo der Sinn liegt. Gibt es große Abweichungen, so überlege, wie du deinen Kompass ausrichten willst, was dir also besonders wichtig ist.

Das Good Time Journal ist eine weitere Idee, die dir bei der Faktensammlung über dich selbst ein gutes Werkzeug sein kann: Notiere einige Wochen täglich, was dir Energie gegeben hat, wann du im Flow warst und Spaß hattest und was dich Energie gekostet, dich ausgelaugt und müde gemacht hat. Diese Methode ist großartig, wenn es darum geht, sich der eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden.

Wenn du Diagramme und Grafiken magst, inspiriert dich vielleicht auch ein Dashboard, auf dem du vier Bereiche miteinander abgleichst: Arbeit, Spiel, Liebe und Gesundheit schlagen die Autoren dafür vor.

Ideen sammeln und testen: Prototypen für dein Leben.

Nun geht es auch schon ans Ideen sammeln: Schmiede drei sogenannte Odyssee-Pläne. Odysseus war ein Held der griechischen Mythologie. Der Sage nach verbrachte er etwa zehn Jahre auf einer Irrfahrt voller Abenteuer, bevor er nach Hause fand. Keine Sorge, deine Odyssee muss nicht so lange dauern und du erlebst sie erst mal nur als Idee:

  • Für Plan A malst du dir aus, wie dein Leben weitergeht, wenn du nichts veränderst.
  • Plan B ist genau das: eine Alternative, bei der du die Segel neu setzt und den Kurs änderst.
  • Und Plan C schließlich ist die Traumversion deines Lebens: Geld ist vollkommen egal; du kannst alles machen.

Nimm dir Zeit für das Pläneschmieden und gib jedem Plan einen Titel, etwa „Die geradlinige Karrierefrau“ oder „Der verrückte Quereinsteiger“. Dann bekommt jeder Plan eine Einschätzung zu Vertrauen (traue ich mir das zu?), Interesse (will ich das wirklich?), Kohärenz (passt das zu meinem Kompass?) und Realisierbarkeit (ist es technisch möglich?).

Dieser Prozess kann dauern – parallel kannst du bereits frisch und mutig mit dem Prototyping starten. Was heißt das genau? Du drehst nicht sofort dein ganzes Leben auf links, sondern schnupperst in deine neue Karriere rein und beschäftigst dich aktiv mit den gewünschten Veränderungen. Etwa durch:

  • Praktika, Hospitationen, Ehrenamt im neuen Bereich
  • Gespräche mit Menschen, die das tun, wovon du träumst
  • Deine Routinen ändern, per Microlearning ein neues Thema erobern

Prototyping-Beispiele:

  • Du träumst vom Auswandern? Lerne die Landessprache und verbringe Zeit in deinem Traumland. Ist das Leben dort echt schöner?
  • Du überlegst, dich selbstständig zu machen? Baue dir einen Homepage-Prototypen, entwirf einen Businessplan, beginne mit einem Etsy-Shop – passt das wirklich zu dir?
  • Du suchst mehr Sinn bei deiner Arbeit? Engagiere dich ehrenamtlich, tausche dich mit den Kolleg:innen dort aus – fühlt es sich tatsächlich sinnvoll an?
  • Du würdest gern weniger arbeiten, aber die finanziellen Einbußen sorgen dich? Überprüfe deine Finanzen. Was ließe sich eigentlich einsparen?

Alle Erkenntnisse fließen in deine Pläne A, B und C ein. Denke daran: Du bist neugierige Forscher:in im eigenen Leben. Dein Ziel ist nicht das perfekte Lebenskonzept, sondern vielleicht eine Kombi aus allen drei Plänen, weil du Schritt für Schritt herausfindest, was wirklich wichtig ist.

Dir gefallen Gedankenreisen und der kreative Blick auf die eigene Karriere? Dann sieh dir jetzt unsere Tipps zum Selbstcoaching im Berufsleben an. Du möchtest lieber endlich eine Entscheidung treffen? Dann lies hier weiter: Veränderung im Job? Hier sind die Schritte.

So findest du heraus, was wirklich zu dir passt.

Nun kennst du eine Menge Kreativitätstechniken und dir schwirrt der Kopf? Dann kommt hier eine kurze, pragmatische Übersicht deiner To-dos auf dem Weg zur beruflichen Veränderung:

  • Deine Stärken, Fähigkeiten und Kenntnisse erkennen
  • Deine Werte und Interessen sortieren
  • Berufliche Möglichkeiten sammeln, ohne Bewertung
  • Stärken mit passenden Tätigkeiten matchen
  • Reality-Check: Chancen, Anforderungen und Lernbedarf prüfen
  • Realistische Optionen auswählen, recherchieren
  • Konkrete, nächste Schritte festlegen

Wie du das angehst, liegt bei dir. Du kannst dich bei jedem Schritt aus dem bunten Fundus kreativer Techniken bedienen. So gehst du sicher, dass du den ganzen weiten Horizont deiner Karrieremöglichkeiten im Blick hast und dir nichts entgeht.

FAQ: Kreativitätstechniken und neue Karrierewege.

Das ist Geschmackssache – probiere sie aus und beobachte, welche neuen Ideen dir kommen. Der eine reflektiert gern im Schreiben langer Texte, die andere macht lieber Listen oder spielt Optionen durch.

Es kann auch sein, dass du allein nicht weiterkommst. Du könntest dir dann entweder Gleichgesinnte suchen, zum gemeinsamen Brainstormen und Austausch. Oder du probierst ein Coaching oder eine Beratung aus.

Wenn du superpragmatisch vorgehen willst, sieh dir an, welche Jobs gerade richtig gefragt sind, etwa in unserem aktuellen JobReport. Lockt dich einer dieser Berufe?

Suchst du Inspiration, die auf Fakten basiert, stöbere doch mal auf der Plattform „MeinNOW“ der Agentur für Arbeit herum; hier steht, wie’s geht: Was steckt hinter „mein NOW?“

Praktische Tipps und To-dos findest du auch in unserem Ratgeber zur beruflichen Neuorientierung.

Letztlich kannst du das nur durchs Ausprobieren herausfinden. Eine Karriere lässt sich ohnehin nur bedingt planen, denn der Arbeitsmarkt verändert sich rasant, genau wie Märkte, Lieferketten und globale Bedingungen. Du weißt schon viel, wenn du deine Talente und Veranlagung kennst und dir über deine Werte im Klaren bist. Setze dir Ziele, die nicht zu weit weg liegen, und entscheide weiter, wenn du sie erreicht hast. Die Erfahrung, die du auf dem Weg dahin gesammelt hast, wird dir dabei helfen.

Eine Weiterbildung ist eine ideale Grundlage für einen Neuanfang, besonders beim beruflichen Quereinstieg. Sie sollte aber gut gewählt sein und in dein Leben passen. Auch anerkannte Zertifikate erleichtern den Neustart. 

Mehr zur Auswahl einer passenden Weiterbildung liest du hier: Welche Weiterbildung passt zu mir? und hier: Tipps für deinen Jobwechsel als Quereinsteiger:in.

  • Starte mit kleinen Schritten, wie beim Prototyping im Design Thinking. Hospitiere, befrage Menschen, belege ein Wochenendseminar. Begeistert es dich? Mach den nächsten Schritt. Irritiert es dich? Denke neu.
  • Nutze das Good Time Journal und beobachte dich: Was lässt dich aufblühen, was kostet dich viel Kraft?
  • Oder buche dir einfach einen Beratungstermin bei einem Weiterbildungsanbieter und finde heraus, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.