Gekündigt, was nun? Erste Hilfe bei Arbeitslosigkeit

Erste Hilfe bei Arbeitslosigkeit

Der Verlust oder auch drohende Verlust des Arbeitsplatzes ist eine existenzbedrohende Situation. Es ist nun besonders wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Schritte zu unternehmen. Was Sie unbedingt wissen und beachten sollten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.


Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Anspruch auf Arbeitslosengeld hat jeder, der innerhalb der letzten zwei Jahre insgesamt mindestens 12 Monate lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies an einem Stück oder mit Unterbrechungen geschehen ist. Es können auch Ersatzzeiten wie Kurzarbeit, Wehrdienst, Mutterschaft, Kindererziehung, Krankengeldbezug oder Freiwilligendienst angerechnet werden.

Wer in Deutschland seinen Job verliert, kann dann in der Zeit der Arbeitslosigkeit finanzielle Unterstützung beantragen, das sogenannte Arbeitslosengeld (ALG). Hier unterscheidet man zwei Versionen, das ALG I und das ALG II.

Tipp: Wer in den letzten zwei Jahren insgesamt mind. 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, kann Arbeitslosengeld beantragen.


Wann muss ich mich arbeitsuchend und arbeitslos melden?

Die Meldung bei der Agentur für Arbeit ist der erste Schritt um Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld zu sichern. Falls Sie noch im Arbeitsverhältnis stehen und die Kündigung droht, erhalten Sie i. d. R. noch bevor Ihre gekündigte Beschäftigung endet, einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch mit einem Berater der Agentur für Arbeit. Mit diesem können Sie alle weiteren Fragen und notwendigen Schritte besprechen.

1. Arbeitsuchend melden. Um Ihren Leistungsanspruch auf Arbeitslosengeld nicht zu gefährden, sollten Sie sich nach Erhalt der Kündigung sofort als arbeitsuchend melden. Sofort heißt hierbei innerhalb eines Tages. Wer einen befristeten Arbeitsvertrag hat, muss sich drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses als arbeitsuchend melden. Die Meldung kann persönlich bei der Bundesagentur für Arbeit, telefonisch unter 0800 4 555500 (gebührenfrei) oder per Internet erfolgen. Wurden Sie bereits gekündigt, muss die Meldung direkt bei Ihrer nächstgelegenen Niederlassung der Agentur für Arbeit erfolgen.

2. Arbeitslos melden. Spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit müssen Sie sich bei der Arbeitsagentur persönlich arbeitslos melden. Wichtig zu wissen ist hier: Das Arbeitslosengeld wird rückwirkend am Ende des Monats ausbezahlt.

Selbstverschuldete Kündigung. Wer selbst kündigt oder wegen schlechten Verhaltens gekündigt wurde, hat mit einer Sperrzeit von 12 Wochen zu rechnen. Die Gründe für die Kündigung müssen auf einem gesonderten Blatt beim Antrag auf Arbeitslosengeld angegeben werden.

Tipp: Wer einen befristeten Arbeitsvertrag hat, sollte sich drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses als arbeitsuchend melden.


Wie kann ich Arbeitslosengeld beantragen?

Am ersten Tag Ihrer Arbeitslosigkeit müssen Sie sich persönlich vor Ort bei Ihrer Agentur für Arbeit arbeitslos melden. Um das Arbeitslosengeld zu erhalten, müssen Sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld ausfüllen. Dieser nimmt Ihren beruflichen Werdegang der letzten fünf Jahre auf. Das Formular erhalten Sie in der Agentur für Arbeit oder füllen es online aus. Folgende Unterlagen sollten Sie für den Antrag mitbringen/bereithalten:

  • Personalausweis oder Reisepass mit Meldebestätigung, Aufenthaltserlaubnis, Arbeitserlaubnis
  • Sozialversicherungsausweis
  • ggf. Nachweise über einen früheren Leistungsbezug wie Wohngeld, Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder Unterhaltsgeld
  • Arbeitsbescheinigung
  • ggf. Kündigung/Arbeitsvertrag
  • ggf. Bescheinigung über Bezug von Krankengeld
  • Lebenslauf

Essentiell für die Beantragung sind die Bescheinigungen früherer Arbeitgeber, die Sie selbst organisieren müssen. Danach wird das ALG I berechnet.

Tipp: Am ersten Tag Ihrer Arbeitslosigkeit müssen Sie sich persönlich bei Ihrer Agentur für Arbeit arbeitslos melden.


Arbeitsuchender Mann hat viele Fragen.
Melden Sie sich vor Ende des Arbeitsverhältnisses arbeitsuchend.
Arbeitslosengeld. Münzen, Scheine und Taschenrechner liegen auf dem Tisch.
Sie erhalten etwa 60 % Ihres pauschalierten Nettoentgelts.

Wieviel Arbeitslosengeld steht mir zu?

Wie viel Arbeitslosengelde gezahlt wird ist gesetzlich geregelt. In der Regel erhält man 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts (Leistungsentgelt). Wer ein Kind hat, erhält etwa 67 Prozent. Die Steuerklasse hat ebenfalls Einfluss auf die Höhe des Arbeitslosengeldes. Sollte das Arbeitslosengeld nicht ausreichen, können Betroffene zusätzlich das Arbeitslosengeld II beantragen.

Das Arbeitslosengeld ist eine Versicherungs- und Unterstützungsleistung für Arbeitsuchende. Die Leistung soll als Entgeltsersatzleistung eine angemessene Lebensgestaltung und eine Sicherstellung des persönlichen Lebensstandards auf einem Mindestniveau ermöglichen. Die Höhe orientiert sich nicht am früheren Lebensstandard, sondern am persönlichen Bedarf, der für die Finanzierung eines menschenwürdigen Daseins nötig ist.

Im Falle einer Abfindung ruht ihr Leistungsanspruch für einen gewissen Zeitraum. Das ALG I wird 12 Monate immer am Ende des Monats ausgezahlt, jedoch ist die Länge abhängig von der Sozialversicherungspflicht in den letzten 5 Jahren. Sie haben insgesamt vier Jahre nach dem ersten Einzahlen in die Versicherung Anspruch auf das Arbeitslosengeld.

Das Ihnen zustehende Arbeitslosengeld können Sie z. B. hier berechnen.

Tipp: In der Regel erhält man 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts. Sollte das Arbeitslosengeld nicht ausreichen, kann zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragt werden.


Muss ich ALG I oder ALG II beantragen?

Sämtliche Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung werden unabhängig vom Vermögen des Empfängers berechnet. Empfänger von ALG I müssen allerdings berücksichtigen, dass Einkünfte aus Nebentätigkeiten auf das Arbeitslosengeld angerechnet werden. Der Anspruchszeitraum ist abhängig von der Dauer der Einzahlung. Für alle Arbeitslosen über 50 Jahre gibt es eine Sonderregelung.

Das ALG II, auch als Hartz IV bekannt, stellt eine staatlich finanzierte Grundsicherung für Arbeitsuchende dar. Hartz IV soll den Lebensunterhalt all derer sichern, die keine oder nur wenig Leistung aus der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung beziehen. Somit haben auch Arbeitnehmer einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II, wenn ihr Gehalt nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Hierzu gibt Ihnen die Agentur für Arbeit nähere Auskünfte.

Tipp: Auch Arbeitnehmer haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II, wenn ihr Gehalt nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.


Wird persönliches Vermögen auf das Arbeitslosengeld angerechnet?

Erwirtschaftetes Vermögen wird nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Auch von dritter Seite erhaltenes Vermögen wie zum Beispiel Schenkungen oder Erbschaften werden nicht angerechnet. Wer hingegen von seinem ehemaligen Arbeitgeber noch Leistungen erhält, wie zum Beispiel die Auszahlung einer Abfindung oder Provisionen, muss sich diese auf das Arbeitslosengeld anrechnen lassen. Das gilt auch für den Fall, dass der Arbeitgeber die gesetzliche Kündigungsfrist nicht eingehalten hat und seitens des Gekündigten noch ein Anspruch auf Gehalt besteht.

Tipp: Erwirtschaftetes Vermögen wird nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet, Abfindungen oder Provisionen allerdings schon.


Gibt es Arbeitslosengeld für EU-Bürger und Angehörige von Drittstaaten?

Angehörige eines EU-Mitgliedlandes haben entsprechend der EU-Abkommen die gleichen Rechte wie Deutsche und können unter denselben Voraussetzungen ebenfalls Arbeitslosengeld in Deutschland beziehen. Auch Angehörigen von Drittstaaten ist es möglich, unter Erfüllung bestimmter Vorschriften, Arbeitslosengeld zu beantragen.

Tipp: Auch EU-Bürger und Angehörige von Drittstaaten können ggf. Arbeitslosengeld beantragen.


Gesprächssituation beim Arbeitsvermittler.
Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitsvermittler beraten.
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Machen Sie eine Weiterbildung mit Bildungsgutschein.

Habe ich nach einer Selbständigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Bei einer Selbständigkeit richtet sich der Anspruch auf Arbeitslosengeld ebenfalls nach den einbezahlten Beiträgen in die Arbeitslosenversicherung. Haben Sie 12 Monate lang entsprechende Beiträge getätigt, dann haben Sie auch als ehemaliger Selbständiger Anspruch auch Arbeitslosengeld.

Tipp: Wer selbstständig ist, zahlt freiwillig relativ geringe Beträge in die Arbeitslosenversicherung ein. Dies kann zu Beginn der Selbstständigkeit bei der Arbeitsagentur beantragt werden. 


Habe ich mit einer Krankmeldung Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Der Verlust des Arbeitsplatzes kreuzt sich oft mit einer Krankmeldung. In diesem Fall sind die betroffenen Arbeitnehmer über ihren Arbeitgeber nachversichert. Das bedeutet, dass sie für die Zeit der Krankmeldung Anspruch auf Krankengeld haben. Erst nachdem ihnen der Arzt wieder Ihre Arbeitsfähigkeit bescheinigt hat, können sie sich arbeitslos melden. Wer hingegen während der Arbeitslosigkeit krank wird, bleibt bei der Bundesagentur für Arbeit versichert. In diesem Fall ist es wichtig, die Agentur umgehend über die Krankmeldung zu informieren. Die Leistungen werden wie bei einer Festanstellung weiter bezahlt.

Tipp: Erst nachdem ihnen der Arzt wieder Ihre Arbeitsfähigkeit bescheinigt hat, können sie sich arbeitslos melden. 

Wie läuft das Gespräch mit dem Arbeitsvermittler ab?

Sobald alle bürokratischen Schritte erledigt sind und das Arbeitslosengeld bewilligt wurde, folgt in einem nächsten Schritt die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Dazu ist ein Beratungsgespräch bei einem Arbeitsvermittler vorgesehen. Bei diesem ersten Termin lernt der Arbeitsvermittler Sie kennen und bespricht mit Ihnen Ihre Jobsituation und das weitere Vorgehen. Es wird auch über Ihre berufliche Zukunft gesprochen. Wo möchten Sie gerne arbeiten? Kommt eine Weiterbildung oder eine Umschulung in Frage? Nutzen Sie das Gespräch und überlegen Sie sich schon vorab, was Sie gerne machen möchten bzw. in welche Richtung es gehen kann.

Tipp: Überlegen Sie sich vor dem Beratungsgespräch mit Ihrem Arbeitsvermittler, wo Ihre berufliche Reise hingehen könnte.


Kann ich eine Weiterbildungen oder Umschulung machen?

Im Beratungsgespräch mit dem Arbeitsvermittler können Arbeitsuchende ihre Fragen zur Arbeitsuche vorbringen und auch Hilfe beantragen, z. B. für das korrekte Verfassen eines Bewerbungsschreibens oder Lebenslaufes. Dabei kann ein vom Jobcenter bzw. der Agentur für Arbeit finanziertes Bewerbungscoaching helfen. Außerdem können Schritte zur Optimierung der Chancen auf Wiedereinstellung besprochen werden. Dazu zählen etwa geförderte Kurse, Weiterbildungen, Lehrgänge und Umschulungen, in denen die berufliche Qualifikation erhöht werden kann. Interessenten erhalten dazu auch Informationen über finanzielle Unterstützungen, die zur Finanzierung der Fortbildung oder Umschulung gewährt werden.

Tipp: Nutzen Sie die Zeit der Arbeitslosigkeit und machen Sie eine geförderte Weiterbildung oder Umschulung.


Welche Chancen bieten Digitalisierung und Arbeiten 4.0?

Nicht nur zahlreiche Arbeitnehmer stehen Anfang des 21. Jahrhunderts vor einer neuen Herausforderung. Schlagwörter wie Digitalisierung und Arbeiten 4.0 fordern Fertigung und Handel heraus. Aber auch das ökologische Umdenken und die damit verbundene Energiewende stellen Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Traditionelle Branchen verschwinden und mit ihnen viele Jobs. Dafür entstehen neue Berufe, für die es allerdings aktuell zu wenige Bewerber gibt.

Diese Herausforderungen können nur mit gut qualifizierten Fachkräften bewältigt werden. In vielen Bereichen gelten hier Quereinsteiger als besonders motiviert und sind entsprechend gefragt. Dabei eröffnen qualifizierte Fortbildungen und Umschulungen völlig neue Chancen für Arbeitsuchende. Oft sind solche Fortbildungen zu 100 Prozent förderbar.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten für Aus- und Weiterbildungen.

Tipp: Die Kosten für eine Weiterbildung oder und Umschulung können bis zu 100 Prozent übernommen werden.

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